Bulle & Bär
Spiel mit Schwankungen

Mit Kraft schlagen die Aktienkurse derzeit nach oben und unten aus. Prozentual zweistellige Tagesverluste bei einzelnen Aktien haben Anleger schon länger nicht mehr gesehen. Doch für Finanzprofis haben die Turbulenzen am Aktienmarkt noch andere Dimensionen.

Sie interessieren sich nicht nur für Gewinne oder Verluste, sondern auch für die Schwankungsbreite (Volatilität) der Kurse, Zinsen, Dividenden und die Laufzeit.

Denn für den Kursverlauf von Portfolios mit Derivaten sind Volatilität und Zinsen oft genauso wichtig wie die Aktienkursveränderung, das „Delta“. Das gilt insbesondere dann, wenn Händler ihr Portfolio „deltaneutral“ aufgestellt haben. Dann hängen Wohl und Wehe nur noch von den anderen Faktoren ab.

Weil Zertifikate-Anbieter in ihren Handelsbüchern täglich damit konfrontiert sind, wundert es nicht, dass sie auch Privatanlegern die vermeintlichen Freuden von Vola-Spielen und ähnlichen Risiko-Rendite-Positionen verkaufen. Seit geraumer Zeit gibt es daher Zertifikate am Markt, die etwa die Schwankungsbreite des Dax verbriefen. Die Papiere von Goldman Sachs sind eine ganz schön komplizierte Angelegenheit, mit der sich bisher kaum Geld verdienen ließ – mit Ausnahme der vergangenen Handelstage. Wer Vola-Zertifkate im vergangenen Jahr gekauft hat, sitzt leider tief im Minus. Die Erkenntnis: Kursschwankungen eignen sich nur für kurzfristige Spekulationen.

Doch trotz der Schwierigkeiten mit der Vola verbriefen die Anbieter munter weiter Portfoliorisiken, mit denen die Profis täglich jonglieren. Neuestes Beispiel sind die Dividenden-Zertifikate von Sal. Oppenheim. Damit setzen Anleger darauf, dass die Ausschüttungen von acht Dax-Konzernen in den kommenden drei Jahren über den heutigen Erwartungen liegen werden. Wer braucht so ein Papier?

Schwankungen von Dividenden können auf Derivatepreise gravierende Auswirkungen haben. Deswegen sichern sich Banken gegen solche Bewegungen ab. Sie balancieren ihr Portfolio aus, indem sie ihre Dividendenpositionen mit den eigenen Erwartungen in Einklang bringen. Das Depot in einzelne Risikofaktoren zu zerlegen, dient also der Stabilität der Anlage.

Bei Zertifikatekäufern haben die Papiere den gegenteiligen Effekt. Statt ihren Depots zu mehr Balance zu verhelfen, kaufen sie mit den Einzelfaktoren konzentriertes Risiko dazu. Kaum einer wird ernsthaft ein Dividendenzertifikat erwerben, um das Dividendenrisiko seiner Aktien-Verkaufsoptionen zu minimieren. Genau das wäre aber eine mögliche Anwendung.

Wer die Profipapiere kauft und nicht nur damit zocken will, müsste konsequenterweise gleich einen großen Schritt weiter gehen: Sein Depot nach den Risikofaktoren analysieren und die Risiken gegeneinander absichern. Wer so weit ist, wird Dividenden- und Vola-Risiken aber wahrscheinlich mit anderen Mitteln auffangen als mit Zertifikaten auf komplizierte Indizes.

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