Bulle & Bär
Spirale der Angst

Sind Aktien nach ihrem Januar-Einbruch schon wieder ein Kauf? Diese Frage beschäftigt Analysten. Die Antwort hängt von der weiteren Entwicklung der Kreditkrise und der Unternehmensgewinne ab. Heftig rangeln Bullen und Bären miteinander: Während die Optimisten eine mögliche weitere Verschlechterung der Lage bereits in den aktuellen Kursen berücksichtigt sehen, sind die Skeptiker vom Gegenteil überzeugt.

DÜSSELDORF. Das Stimmungsbild reflektiert enorme Nervosität. Die Experten von Merrill Lynch errechneten in ihrer jüngsten Umfrage unter internationalen Großinvestoren die höchste Cashquote in den Depots seit den Terroranschlägen vom elften September 2001. Manche Optimisten sind deshalb hoffnungsfroh, denn wenn die Investoren wieder "normal" agieren, werden sie das aufgehäufte Bare anlegen und damit die Kurse nach oben treiben. Pech ist nur: Im längeren historischen Rückblick verliert das Argument an Schlagkraft.

Merrill Lynch führt seine Umfrage erst seit einigen Jahren durch. Von den US-Finanzmärkten gibt es jedoch weiter reichende und damit bessere Datenreihen, die eher zur Sorge Anlass geben. Die Cashquote der US-Aktienfonds liegt danach mit dreieinhalb Prozent nahe der historischen Tiefpunkte während des letzten halben Jahrhunderts. Ähnlich niedrig war die Quote nur drei Mal, kurz vor den beiden Börsentalfahrten in den siebziger Jahren und vor dem Platzen der Technologieaktienblase vor acht Jahren. Das ist kein gutes Omen. Unter diesem Blickwinkel kann die Risikoscheu der Großanleger noch weiter steigen, beispielsweise getrieben von anhaltenden Kursstürzen.

Die Ursache der schlechten Stimmung bringt den innersten Motor des ökonomischen Geschehens und des Finanzmarktwesens ins Stottern: Eine Vertrauenskrise lähmt das Kreditgeschäft. Kaum noch jemand möchte Geld verleihen, aus Angst, er könnte es vielleicht nicht zurückbekommen - wenn der Partner Bankrott geht. Es besteht die Gefahr einer Angstspirale, in der Kreditklemmen immer weitere Wirtschaftsbereiche auch jenseits der Banken einzwängen, so dass die Gewinne und Investitionen der Unternehmen branchenübergreifend wegsacken. Das Horrorszenario einer sich ausweitenden Vertrauenskrise malt jetzt beispielsweise der bekannte Ökonom Nouriel Roubini an die Wand.

Man kann das düstere Szenario aber ruhig gedanklich beiseite schieben und die Gewinnentwicklung der Unternehmen unabhängig davon betrachten. Das Ergebnis: Gelten historische Trends auch heute noch, ist ein Ende der Ära unternehmerischer Rekordgewinne absehbar - ganz ohne Kreditkrise. Rund um den Globus sind die Gewinnentwicklungen dem langfristigen Trend über die vergangenen Jahrzehnte so weit enteilt wie noch nie. Ein massiver Rückschlag wäre nur natürlich. Die Börsenampeln stehen auf Rot.

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