Bulle & Bär
Staatsverschuldung: Schlechtes Beispiel Ecuador

Eines kann man Ecuadors sozialistischem Staatspräsident Rafael Correa zumindest nicht vorwerfen: Inkonsequenz. Schon in seiner Wahlkampagne vor drei Jahren drohte er an, dass Ecuador einen Teil seiner Schulden nicht bezahlen werde.

FRANKFURT. Eines kann man Ecuadors sozialistischem Staatspräsident Rafael Correa zumindest nicht vorwerfen: Inkonsequenz. Schon in seiner Wahlkampagne vor drei Jahren drohte er an, dass Ecuador einen Teil seiner Schulden nicht bezahlen werde. Es gehe nicht an, dass Ecuador mehr Geld für Zinsen als für die Investition in Bildung ausgebe, betonte er auch später noch. Jetzt hat er Ernst gemacht. Ecuador lässt Investoren auf zwei Anleihen über insgesamt 3,2 Mrd. Dollar sitzen.

Das hat indes nichts mit der Zahlungsfähigkeit des Landes zu tun, das über Währungsreserven von fast sechs Mrd. Dollar verfügt. Entscheidend ist der politische Wille: Correa hat eine Untersuchungskommission eingesetzt, die in einem 127-seitigen Bericht darlegte, warum die Anleihen – es geht um zwei Bonds mit Laufzeit bis 2012 und 2030 – angeblich nicht rechtmäßig sind. Sie waren im Jahr 2000 als Teil des Umschuldungsprogramms begeben worden, dafür gab es nach Ansicht der Kommission aber keine staatliche Genehmigung. Zur Zeit der Umschuldung war Ecuador wirklich zahlungsunfähig und eine Umschuldung nötig.

Die jetzt betroffenen Bonds will die Regierung noch in diesem Monat zurückkaufen, allerdings zu höchstens 30 Prozent des Nennwertes von 100 Prozent. Im vergangenen Jahr sind die Kurse von über 100 auf um die 25 Prozent eingebrochen.

Das Geschachere des Anden-Landes wirft die Frage auf, ob andere Schwellenländer dem schlechten Beispiel folgen werden. Dass es zu weiteren politisch motivierten Zahlungsausfällen kommt, ist aber unwahrscheinlich. Drohungen, den Schuldendienst einzustellen, gab es noch von keiner Seite.

Trotzdem bleibt die Investition in Anleihen vieler Schwellenländer riskant. Auch wenn politischer Zahlungswille unterstellt werden kann, ist fraglich, ob alle Länder auf Dauer zahlungsfähig bleiben. Schließlich geraten die Schwellenländer im Schlepptau der Industrienationen in den Abschwung. Länder wie Ungarn, die Ukraine und Pakistan waren schon auf Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) angewiesen. Zudem geraten Ölexporteure wie Venezuela durch den fallenden Ölpreis erheblich unter Druck.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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