Bulle & Bär
Stahlaktien: Heißes Eisen

Die armen Autofahrer. Nicht nur die Spritpreise steigen, bald könnte auch der Autokauf teurer werden. Warum? Der Preis für den wichtigsten Werkstoff Stahl ist explodiert. Zu Jahresbeginn kostete eine Tonne Flachstahl noch weniger als 500 Euro, inzwischen sind es 720 Euro. VW-Chef Martin Winterkorn deutete bereits an, den Kostenschub bald an die Kunden weiterzureichen.

FRANKFURT. Was Autofahrer ärgert, kann Anleger vielleicht erfreuen. Die hohen Stahlpreise treiben die Gewinne der Stahlkonzerne, die Aktien sind aber recht günstig bewertet. So rechnet die Commerzbank etwa für Klöckner, Thyssen-Krupp und Salzgitter für 2008 und 2009 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis zwischen 5,6 und 7,9. Lohnt sich jetzt der Einstieg?

Die Branche profitiert von einer rasant wachsenden Nachfrage. Die chinesische und indische Volkswirtschaft boomt6 weiterhin und Stahl ist der Grundstoff der Industrialisierung. Jahrzehntelang stieg die globale Stahlproduktion jährlich um rund ein Prozent. Seit der Jahrtausendwende beträgt das jährliche Wachstum über sechs Prozent.

Dass die Aktienkurse vieler Stahlkonzerne nach deutlichen Anstiegen zu Beginn des Jahres inzwischen gesunken sind, begründen Beobachter mit der Sorge, der einbrechende US-Automarkt und eine abflauende Weltkonjunktur könnten den Stahlboom bremsen. Die Kursreaktionen sind aber übertrieben. Die Milliardenvölker im Osten benötigen weiterhin gigantische Stahlmengen, um eine moderne Infrastruktur zu errichten.

Dennoch ist bei Stahl-Aktien Vorsicht geboten. Die Produktionskosten für Stahl sind massiv gestiegen. Der Preis für Eisenerz hat sich verdoppelt, der für Kokskohle verdreifacht. Entscheidend für die Ertragsstärke der Stahlkonzerne ist, inwieweit sie die Kosten weiterreichen und dabei die eigene Marge erhöhen können.

Der Weltmarktführer Arcelor-Mittal steht gut da. Fast die Hälfte des eigenen Bedarfs an Eisenerz decken die Luxemburger aus eigener Produktion, bis 2014 soll der Anteil auf 80 Prozent steigen.

Auch der Stahlhändler Klöckner erhöhte vor kurzem die Gewinnprognose. Das Handelsunternehmen muss den Stahl zwar selbst einkaufen, hat sich aber frühzeitig günstige Lieferungen gesichert. Klöckner kauft andere Stahlhändler auf und stärkt so seine Einkaufsmacht.

Fraglicher sieht es bei Thyssen-Krupp aus. Der größte deutsche Stahlkonzern hat keine eigenen Rohstoffquellen. Zudem entfallen mehr als 60 Prozent des Geschäfts auf Jahresverträge. Das erschwert die schnelle Weitergabe der höheren Kosten. Nun drängt der Konzern die Autoindustrie und andere Kunden, bestehende Verträge neu zu verhandeln. Inwieweit das gelingt, ist unklar.

Allerdings: Sparten wie Aufzüge und Technologien laufen gut, daher steigert auch Thyssen-Krupp seinen Gewinn. Das zeigt: Wer in Stahlkonzerne investiert, sollte nicht nur auf den Stahlpreis, sondern vor allem auf die Unternehmensstrategie achten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%