Bulle & Bär
Stammzellenforscher tragen das Risiko der Vordenker

Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. Aber was ist eigentlich mit dem, der zu früh kommt? Erfahrungen der Finanzmärkte zeigen, dass oftmals auch jene bestraft werden, die auf den vermeintlichen Vorteil der ersten Stunde setzen und frühzeitig auf vermeintlich neue Trends aufspringen.

FRANKFURT. Wie aber erkennt der Investor, wann der richtige Einstiegszeitpunkt bei einer Kapitalanlage in Zukunftstechnologien gekommen ist? Die Geschichte zeigt: Meist profitierten die Kapital investierenden Pioniere bei bahnbrechenden Erfindungen am stärksten. Ein Beispiel der Neuzeit ist die Pharma-Branche, bei der sich frühe Forschung später in klingender Münze auszahlt.

Allerdings zeigt die Geschichte auch, dass jene, die zuerst an eine Idee geglaubt und mit viel Courage Geld investiert haben, bis zur finanziellen Belohnung meist sehr viel Geduld aufbringen mussten. Dies gilt zum Beispiel noch heute für die Geldgeber der Biotechnologie oder der Brennstoffzellentechnologie. Hier wird viel geforscht und investiert, der große Durchbruch lässt jedoch auf sich warten.

Nun gab es auch Zeiten, in denen als zukunftsweisend geltende Erfindungen von technologischen Fortschritten links und rechts überholt wurden und Investoren der ersten Stunde auf der Strecke blieben.

Dieses Wissen ist einer der Gründe, warum manch ein Fondsmanager auf die Frage nach den Chancen für Unternehmen der Stammzellenforschung sehr zurückhaltend reagieren.

Jenseits aller ethischen Bedenken gegen die Erforschung embryonaler Stammzellen, die zum Teil ganze Nationen spalten, ist die Nutzung der Zellen therapeutische Zwecke ein wichtiges Element der regenerativen Medizin. Es verheißt, Gewebe- und Organschäden zu beheben und bislang unheilbare Krankheiten zu besiegen.

Doch sollten Anleger in einem so frühen Stadium bereits in Unternehmen investieren, die in diesem Bereich forschen, oder sollten sie das Spielfeld der Private-Equity-Branche überlassen?

Ein wichtiges Kriterium sollten Interessierte beachten: Sowohl in der breiten Öffentlichkeit als auch an der Börse wird die embryonale Stammzellenforschung meist abgelehnt. Die Forschung mit adulten Stammzellen findet da schon mehr Anhänger. Unternehmen wie Stem Cells und Brain Storm Cell Therapeutics weichen den Buhrufen der Weltöffentlichkeit im Hinblick auf die Erforschung embryonaler Stammzellen dadurch aus, dass sie adultes Zellmaterial einsetzen, das aus der Zellstruktur erwachsener Patienten gewonnen wird.

Ob sie Anlegern jedoch bessere Chancen bieten als Konkurrenten wie Geron, Biostem und Viacell, die sich überwiegend auf Embryos als „Ressource für therapeutisch einsetzbares Zellmaterial“ fokussieren, ist offen. Für Anleger liegt das Unwägbare der Stammzellenforschung sowohl in der Ethik als auch in der zeitlichen Perspektive.

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