Bulle & Bär
Starbucks: Starkes Gebräu zum Tiefpreis

In der Liste der Aktienflops des Jahres 2007 sind Überraschungen rar gesät: Finanzaktien tragen meist die rote Laterne in den weltweiten Aktienindizes. Darunter mischen sich allenfalls einige Technologiewerte wie Ericsson, Alcatel, Infineon und Level3 Communications. Ein Ausreißer in gleich mehrerer Hinsicht ist die Aktie der US-Kaffeehauskette Starbucks.

Erstens fällt das Papier mit einem Kursverlust von 41 Prozent seit Jahresbeginn in ansonsten freundlichen Gesamtmärkten deutlich aus der Reihe. Zweitens lassen sich im Gegensatz zu den übrigen Flops kaum fundamentale Gründe wie die Kreditkrise oder Umsatzeinbrüche für den herben Kursverfall identifizieren. Das macht die Aktie für langfristig orientierte Investoren nun interessant, denn reinrassige Wachstumswerte zu attraktiven Bewertungen sind an der Börse nach fünf Jahren Bullenmarkt eine Rarität.

Zwar hat Starbucks als Filialist längst kein Kaffee-Monopol mehr, auch andere Systemgastronomien wie McDonald?s und Dunkin? Donuts sind auf dem Gebiet der Kaffeespezialitäten inzwischen sehr aktiv. Zentraler Grund für die herbe Kurskorrektur ist aber, dass Starbucks zuletzt die Erwartungen der Analysten nicht länger deutlich schlug wie in den vergangenen Jahren, sondern gerade noch so erfüllte und die eigenen Wachstumsprognosen minimal zurückschraubte. Das genügte, um die zeitweilig völlig losgelöste Bewertung wieder zu erden: Nachdem der Markt der Aktie zeitweilig eine Bewertung des 50-Fachen der laufenden Gewinne zubilligte, ist das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 20 für das laufende und 17 für das nächste Geschäftsjahr nun gemessen am Wachstum sehr attraktiv: Analysten erwarten derzeit ein jährliches Gewinnwachstum von 21 Prozent über die nächsten fünf Jahre. Zum Vergleich: Die McDonald?s-Aktie wird derzeit mit einem KGV von 22 bewertet, Analysten erwarten jedoch für die nächsten fünf Jahre nur Gewinnsteigerungen von neun Prozent pro Jahr. Im Klartext: Der Markt billigt McDonald?s ein höheres KGV bei einem nicht einmal halb so hohen Gewinnwachstum pro Jahr zu.

Ein jährliches Gewinnwachstum von rund 20 Prozent pro Jahr ist dennoch keine überzogene Erwartung, gemessen an den Plänen von Starbucks, die Zahl der Kaffeehäuser von aktuell 15 000 auf langfristig 40 000 Filialen zu steigern. Alleine für das kommende Jahr plant Starbucks weltweit die Eröffnung von sieben neuen Filialen pro Tag.

Ein zentrales Risiko lässt sich dennoch nicht ignorieren: Das Papier ist derzeit das, was Charttechniker ein "fallendes Messer" nennen: Seit Herbst 2006 geht es ungebremst nach unten mit dem Kurs der Aktie. Da die Nervosität der Aktionäre in den vergangenen Wochen sogar noch sichtbar stieg, bietet sich für Optimisten an, mit einem Abstauberlimit zu arbeiten. Das heißt: eine Kauforder aufzugeben, die nochmals unter dem aktuellen Kurs von 20,50 Dollar bzw. 14,60 Euro liegt. Die Chancen stehen gut, dann einen reinrassigen Wachstumswert günstig erstehen zu können.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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