Bulle & Bär
Stay in May

Seit Anfang Mai ist die Natur geradezu explodiert: Die Bäume sind grün, die Kastanien blühen, und der Flieder auch. An den Aktienmärkten aber ist nichts Außergewöhnliches passiert. Im Zickzack-Kurs kam der Dax daher.

DÜSSELDORF. Vergangene Woche hat er kurzzeitig die Marke von 6 000 Punkten unterschritten. Aber der Einbruch war nicht der Rede wert. Gestern notierte der deutsche Standardwerte-Index schon wieder deutlich über 6 100 Punkten. Der US-Standardwerte-Index Dow bewegt sich sogar seit Tagen schnurstracks nach oben. „Sell in May and walk away“, im Mai Aktien verkaufen und nichts mehr anrühren, viel scheint in diesem Jahr nicht an dieser Regel dran zu ein.

Die Citigroup hat sie kürzlich für US-Aktien geprüft. Ergebnis: eine Sommerflaute gibt es allemal, allerdings fängt sie frühestens im Juni an. Der Mai gehört noch zu den Monaten, in denen der breit gefasste Index Russell 2000 eine positive Kursentwicklung hat. Von 1979 an gerechnet verbesserten sich die Kurse in dem Wonnemonat im Schnitt um rund zwei Prozent. Auch der Juni war noch positiv, mit einem Plus von durchschnittlich gut einem Prozent. Kritisch wird es in der Regel erst im Juli, wenn viele Investoren in den Urlaub fahren und ihr Geld lieber für das Strandhotel ausgeben, als es in Aktien anzulegen. Da betragen die Kursverluste im Schnitt knapp ein Prozent. Ähnlich sieht es im September und im Oktober aus. Rechnet man erst von 1990 an, dann hat sich der saisonale Trend sogar noch verstärkt. Denn seither spielen Investmentfonds eine größere Rolle als in den Jahren zuvor. Die Zu- und Abflüsse von privaten Sparern sorgen für noch höhere Schwankungen.

Nach Branchen sortiert sehen die Trends allerdings sehr unterschiedlich aus. Versorger-Aktien, Konsumgüter des täglichen Bedarfs und Finanzwerte überstehen den Sommer schadlos und erzielen insgesamt eine positive Rendite. Autowerte, Grundstoffe und vor allem Technologiewerte verlieren zwischen zwei und vier Prozent.

Trotzdem sollten Anleger jetzt nicht Bank-Aktien kaufen in der Hoffnung, dass sie im Sommer besonders gut abschneiden. Denn im Umfeld steigender Zinsen leiden Bankentitel eher als andere Werte. Kleinere Banken haben seit Jahresanfang deutlich schlechter abgeschnitten als der Gesamtmarkt.

Reine Spielerei sind saisonale technische Trends nicht, aber sie sollten keineswegs der einzige Entscheidungsfaktor sein. So achten Anleger derzeit neben den Zinsen besonders auch auf die Gewinnentwicklung und auf den Ölpreis. Im Zweifel sind dies die wichtigeren Faktoren.

Ohnehin ist es für Privatanleger kaum ratsam, ständig Aktien oder Aktienfonds zu kaufen und wieder zu verkaufen – oder gar die Branchen zu wechseln. Daran verdient allenfalls die Bank. Investoren, die Geld übrig haben, sollten allerdings noch eine Weile warten. Richtig billig werden Aktien gewöhnlich im Oktober.

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