Bulle und Bär
Stoppt die Zertifikate-Namenstrickser

Diskussionen um verwirrende Produktnamen sind ein ständiger Begleiter der Zertifikate-Branche, seit sie groß genug ist, um öffentlich wahrgenommen zu werden. In schöner Regelmäßigkeit fordern Anlegerschützer, aber auch von den beiden Branchenverbände Derivate Forum und DDI eine Vereinheitlichung von Produktkategorien sowie einen sparsameren Umgang mit kreativen Zertifikatenamen. Genutzt hat es bisher wenig.

Als branchenweit akzeptierte Standards haben sich lediglich die Verkaufsschlager Discount- und Bonuspapiere durchgesetzt. Schon bei den ebenfalls sehr beliebten Expresszertifikaten scheren einige Banken aus der Masse aus: So nennt die Landesbank Berlin ihre Papiere "Minimax"-Zertifikate, die genossenschaftliche DZ Bank wirbt in den Volks- und Raiffeisenbanken für ihre "MaxiRend-Tracker" und die Landesbank Baden-Württemberg verkauft Express-Papiere unter dem blumigen Namen "Zanonia".

Für den Anleger ist das zwar ärgerlich, eine eigene Markenstrategie kann man den Banken aber kaum vorwerfen. Anders sieht das aus, wenn Produktnamen den Anleger tatsächlich in die Irre führen. So wie eine Reihe von Discount-plus-Zertifikaten, die die Citibank aktuell zur Zeichnung anbietet. Mit dieser Weiterentwicklung der Discount-Zertifikate können Anleger wie beim Klassiker mit Rabatt auf den Kursverlauf einer Aktie oder eines Indexes sitzen. Eine zusätzliche untere Kursschwelle sichert ihnen dabei aber eine feste Rendite zu, so lange die Verluste nicht zu hoch ausfallen. Im Gegenzug fällt der Rabatt etwas geringer aus als beim herkömmlichen Discounter.

Bei den Neuerscheinungen der Citibank beträgt der Rabatt auf den aktuellen Kurs allerdings exakt null Prozent. Und trotzdem heißt es in den Zertifikatsbedingungen, der Abschlag der Papiere falle "etwas geringer" aus als bei klassischen Discount-Zertifikaten. Nur wer die Beschreibung gründlich weiterliest, erfährt später, dass der Emissionsprospekt "100 Prozent des Referenzkurses" beträgt.

Mit diesem Profil entsprechen die Zertifikate der Citibank exakt dem, was andere Emittenten als Capped-Bonus-Papiere anbieten. Dass sie dennoch einen anderen Namen gewählt hat, begründet die Bank mit Kundenwünschen. Die Bedürfnisse der Anleger meint sie damit aber kaum. Welchen Nutzen sollten diese aus dem Kauf von Produkten ziehen, die ein offensichtlich falsches Etikett tragen. Die Namenstäuschung dürfte eher den Emittenten dienen, die Zertifikate mit dem Label "Discount" im aktuellen Marktumfeld einfach besser verkaufen können.

Der Zertifikate-Branche erweist die Citibank dagegen einen Bärendienst. Denn Anleger hassen nichts mehr als Intransparenz. Zudem stehen die Zertifikate-Emittenten ohnehin unter ständiger Beobachtung von Anlegerschützern, weil die Masse und die Komplexität ihrer Produkte Misstrauen säen. Mit Namenstricksereien lässt sich dieses Misstrauen sicherlich nicht ausräumen.

drescher@handelsblatt.com

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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