Bulle & Bär
Sturmgeplagte Schweizer

Der Börsenmechanismus, den Betriebsräte hassen und Händler emotionslos betrachten, setzte auch am Montag wieder ein: Kaum war die Nachricht auf dem Markt, dass der Schweizer Versicherer Zurich Financial Services in Deutschland voraussichtlich bis zu 1 000 Stellen streichen wird, gehörte der Kurs der Aktie zu den Gewinnern.

ZÜRICH. Potenzial hatte er allerdings schon vorher. Konsequent arbeitet der Versicherer daran, seinen Ertrag wie angekündigt bis 2007 jährlich um 500 Mill. Dollar zu verbessern. Das Sparvorhaben in Deutschland ist da nur ein kleiner Beitrag. Mehr als 100 Mill. Euro wird es nicht bringen. Das gesparte Geld soll zudem investiert werden. Mehr als doppelt so viel soll dagegen die Sparte North America Commercial (NAC) beitragen, die Sach-, Haftpflicht- und Unfallversicherungen für kleine und mittelgroße Unternehmen anbietet. NAC nimmt als drittgrößter Unternehmensversicherer in den USA (nach AIG und St.Paul Travelers) jährlich 12,5 Mrd. Dollar Prämien ein und macht damit mehr als ein Drittel des gesamten Prämienvolumens von Zurich aus.

Zuständig für dieses Geschäft ist bei den Schweizern Axel Lehmann. Der 47-Jährige gibt sich optimistisch: Nach seinen Worten hat sich Zurich im Bereich der Unternehmensversicherungen in den USA vom Trend zu schwächeren Preisen absetzen können. Es könnte sein, dass von Lehmanns Performance für ihn selbst eine Menge abhängt. Der Schweizer wird unternehmensintern als möglicher Thronfolger von Konzernchef James Schiro gehandelt. So etwas spornt an.

Lehmann dürfte sich mit einem Ausbau des Kleinkundensegments in den USA, das geringeren Preisschwankungen ausgesetzt ist, darum bemühen, jene Risiken zu mindern, die aus der Versicherung von Sturmschäden stammen. Damit will sich der Versicherer von einem anderen Börsenmechanismus abkoppeln, dem das Unternehmen bislang so wie andere in der Branche auch, voll ausgesetzt ist: Jeweils im dritten Quartal, wenn im Süden der USA die Stürme an Kraft gewinnen, verlieren die Titel der im US-Sach- und Haftpflichtmarkt tätigen Konzerne an Stärke. Nicht zu Unrecht: Allein Hurrikan „Katrina“ hat in der Zurich-Bilanz für das vergangene Jahr 1,98 Mrd. Dollar Schadensaufwand hinterlassen. Die Katastrophenschäden trieben die Combined-Ratio um 4,6 auf 100,8 Prozent in die Höhe. Eine Combined-Ratio über 100 Prozent bedeutet, dass der Aufwand für Schäden nicht durch die Jahresprämien gedeckt ist.

So etwas führt zu Kursrückschlägen, die deutlicher ausfallen als jene Kursgewinne, die gestern zu sehen waren. Langfristig allerdings bietet das Ertragsprogramm der Zurich mit seinen Folgen für Strategie und Arbeitsplätze eine gute Portion Kursphantasie. Sturmbedingte Schwächeanfälle schaffen nur mehr Erholungspotenzial für die Aktie und sollten noch während sich die Stürme austoben von Anlegern zum Kauf genutzt werden.

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