Bulle & Bär
Synchrone Verluste

Wie bedeutend ist für Anleger das Thema „Asset-Allocation“ – die Strukturierung des Vermögens ? Die Antwort: theoretisch sehr. Praktisch hatte sie während der vergangenen drei Jahre aber wenig Bedeutung.

FRANKFURT. Das Heer jener Finanzmarkt-Theoretiker, die mit unterschiedlichen Ansätzen das Thema Asset-Allocation erforschen, wird größer. Die Fachleute, die sich mit Fragen der Vermögensaufteilung beschäftigen, suchen eine klare Antwort auf die Frage nach der richtigen prozentualen Gewichtung einzelner Anlageklassen in einem Portfolio. Finanzexperten amerikanischer Universitäten haben die bislang angewandten Methoden sogar noch verfeinert und neue theoretische Ansätze von der „Strategic Asset Allocation“ über die „Tactical Asset Allocation“ bis hin zur „Integrated Asset Allocation“ entwickelt.

Das Ziel: Alle Eventualitäten der Finanzmärkte sollen auf diese Art und Weise Berücksichtigung finden und dem Anleger die höchstmögliche Rendite bringen. Immer geht es darum, die Gewinner unter den Anlageklassen im Portfolio möglichst hoch zu gewichten und die Verlierer zu vernachlässigen oder aber – im Idealfall – überhaupt nicht zu berücksichtigen.

Eine Beschäftigung mit dieser Thematik ist im Prinzip sehr wichtig, da immer mehr Vermögenswerte in verbriefter Form angeboten werden. Nach dem Platzen der Internet-Blase wurden jedoch Schwächen der Methodik offenkundig: Wegen der weltweit üppigen Liquidität verzeichneten alle populären Anlageklassen über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg kräftige Wertsteigerungen. Dies geschah so synchron wie selten zuvor.

Für Anleger war es von Anfang 2003 bis Anfang 2006 recht einfach, die eigene Vermögenssituation zu verbessern. Über etwas mehr als zwei Jahre hinweg kam es im Gleichlauf zu Kursgewinnen bei Aktien, Anleihen, Emerging-Market-Investments, Rohstoffen und Immobilien. Erst danach brachten deutliche Kurseinbußen bei Anleihen Misstöne in den Gleichklang. Die einzige Anlageklasse, die während des Aufschwungs keine Freude machte, war Bargeld. Das Thema Asset-Allocation hatte bis zum ersten Quartal dieses Jahres also keine große Bedeutung, da beinahe alle Anlageklassen eine sehr gute Performance boten.

Es überrascht daher nicht, dass sich die Finanzmärkte auch in den vergangenen Wochen wieder im Gleichklang bewegten. Kursverlusten bei Anleihen folgten Kurseinbußen bei Aktien der Industrieländer und der Emerging Markets, bei Rohstoffen und auch Immobilien, bevor die Tendenz bei Anleihen wieder drehte. Während dieses Zeitraums war Bargeld die einzige attraktive Anlageklasse.

Welche Erkenntnisse lassen sich aus diesem gleichläufigen Auf und Ab ziehen? Zurzeit schöpfen die Notenbanken bekanntlich Liquididät ab. Weitere Kurskorrekturen würden daher nicht überraschen. rettberg@handelsblatt.com

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