Bulle & Bär
Taugt das Eigenheim zur Altersvorsorge?

An dieser Frage scheiden sich die Geister: Taugt die eigene Immobilie zur Altersvorsorge? Oder soll man besser zur Miete wohnen und sein Geld in Versicherungen oder Wertpapiere stecken? Die auf den ersten Blick unbefriedigende Antwort lautet: Das muss jeder für sich entscheiden.
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FRANKFURT. Die Finanzkrise hat viele Gewissheiten erschüttert - wie diese: Immobilien sind eine sichere Anlage. Das gilt zumindest für Märkte, die völlig abgedreht waren, wie etwa in den USA. Null Eigenkapital, tilgungsfreie Darlehen und die Nutzung der Hypothek als Komsumkredit waren an der Tagesordnung. Hinzu kamen derart aggressive Makler, dass auch Geringverdiener in den Genuss eines Darlehens kamen. Die Folgen sind bekannt.

Die Finanzkrise hat auch viele Gewissheiten bestätigt - wie diese: Immobilien sind eine sichere Anlage. Diese gilt zumindest für Deutschland. Kein überhitzter Markt. Keine Preisblase. Ohne Eigenkapital gibt es in der Regel keine Immobilienfinanzierung. Kaum ein deutscher Häuslebauer käme auf die Idee, seine Hypothek aufzustocken, um ein neues Auto zu kaufen. Bei Schulden lautet die rentabelste Strategie: tilgen.

Die Branche warnt selbst vor dem Kauf einer Immobilie

Da horcht man zumindest auf, wenn die deutsche Versicherungswirtschaft über ihren Verband GDV vor dem Immobilienkauf regelrecht warnt: "Der Kauf einer Immobilie vor allem mit der Absicht, damit für sein Alter vorzusorgen, ist kein sicheres, sondern sehr häufig ein besonders riskantes Geschäft." Weiter heißt es: "Damit sind Klumpenrisiken verbunden; der demographische Wandel führt zudem zu erheblichen Wertentwicklungs- und Veräußerbarkeitsrisiken." Soll heißen: Wer eine Immobilie kauft, steckt darin fest. Er hat zwar im Alter eigene vier Wände. Die haben dann aber oft an Wert verloren. Und neben der Immobilie braucht der Mensch auch noch Geld zum Leben.

Das ist nicht von der Hand zu weisen, und tatsächlich sollte der Bauherr seine "Klumpenrisiken" nicht nur im Betonmischer vermuten. Doch aus Sicht der Immobilienwirtschaft gibt es auch gute Argumente: Wer eine Immobilie kauft, wohnt darin und hat einen direkten Nutzen - nicht erst in 30 Jahren, wenn die Lebensversicherung fällig wird. Und wer seine Police nicht so lange durchhält, macht oft ein Verlustgeschäft. Jede zweite Police wird vorzeitig gekündigt. Gut, auch eine Baufinanzierung kann in die Brüche gehen. Insofern gibt es keine risikolose Anlage.

Im wahren Leben fehlt es oft an der Spardisziplin

An dieser Frage scheiden sich also die Geister: Taugt die eigene Immobilie zur Altersvorsorge? Oder soll man besser zur Miete wohnen und sein Geld in Versicherungen oder Wertpapiere stecken? Die auf den ersten Blick unbefriedigende Antwort lautet: Das muss jeder für sich entscheiden. Wer zur Miete wohnt und sein Eigenkapital diszipliniert und jahrzehntelang in eine Versicherung oder Wertpapiere steckt, fährt womöglich besser. Der Haken ist nur: Im wahren Leben fehlt die Spardisziplin oft. In der Realität stehen Hauseigentümer im Ruhestand oft besser da als mietende Altersvorsorger.

Aber diese Einstellung kann sich durchaus ändern, und sollte es zu-mindest im Alter vielleicht. Denn wer völlig rational sein Geld dispo-niert, kann sein Haus im Alter - mit einer sogenannten Umkehrhypothek - wieder verrenten.

Geldanlegen ist mit Risiken ver-bunden, da hat die Versicherungs-lobby recht

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  • Die meisten Deutschen kaufen in ihrem Leben doch höchstens ein bis zwei immobilien. Dabei ist die Risikostreuung dann fast gleich Null. Der Hauptgrund für den Kauf ist vermutlich oft der besitzerstolz oder ähnliches, keinesfalls nüchternes Rentabilitätsdenken. Ein Fehlkauf wird leicht zum kompletten Desaster für den Vermögensaufbau. Z.b., wenn der Reparaturbedarf total unterschätzt wird. bei Ehe-Scheidung muss die immobilie wohlmöglich zu schlechtem Preis verkauft werden. Wenn der Opa im Erdgeschoss versehentlich den Gashahn seines Küchenherdes nicht zudreht und sich dann seine Pfeife ansteckt, dann kann auch die Eigentumswohnung im ersten Stock bald einen Wert nahe bei Null haben. Usw., usw.. Wenn man VERNÜNFTiG (!) in Aktien-Fonds (oder noch besser: in Aktien-index-Fonds) investiert und auch das dazu passenden Nervenkostüm besitzt, so kann man eine viel bessere Risikostreuung erreichenund und in der Regel auch eine bessere Rentabilität. Den besitzerstolz des immobilien-besitzers wird man so wohl nicht bekommen, aber vielleicht nach und nach mit wachsendem Vermögen ein Gefühl finanzieller Unabhängigkeit.

  • Ob die selbstgenutzte immobilie später mal an Wert verliert, ist doch völlig egal. Man wohnt eben drin und das mietfrei. Dadurch bleibt sogar Geld über für werterhaltende Arbeiten. Viel riskanter ist der enteignende Staat. Der drückt den Grundbesitzern gern mal eine Zwangsanleihe rein, wie die Geschichte lehrt.

    Allerding enteignet der Staat auch Aktien- und Versicherungsbesitzer. Die stehen keineswegs besser da.

  • Super Vorschlag. Ab jetzt zahlen alle nur noch wahlweise für Lebensversicherungen mit Garantiezins von 2 Prozent oder in Fonds mit wunderschön klingenden Namen, überbezahltem Fondsmanagement und laufenden Verwaltungskosten. Jeweils vermittelt vom netten provisionsgeilen Vermittler von nebenan.
    Und wohnen ab sofort nur noch in Standardmietbaracken.
    bravo.

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