Bulle & Bär
Tech-Aktien: Ein Vorurteil weniger

Wurden auch Sie böse überrascht, als wie aus dem Nichts die Kurse fielen? Als ob sich über Nacht die Welt geändert und alle Gelassenheit der Nervosität Platz gemacht hätte. Etwas Gutes haben die neuen Börsenzeiten aber: Sie legen Schwächen und Stärken einzelner Branchen schonungslos offen.

DÜSSELDORF. Jahrzehntelang galt die goldene Börsenregel, dass Technologiewerte im Abschwung überdurchschnittlich viel verlieren. Das ist diesmal nicht so. Die amerikanische Leitbörse für High-Tech-Aktien, Nasdaq, hält sich erstaunlich gut. Gemessen an den eher schwerfälligen Standardwerten im Dow Jones fallen die Verluste nicht höher aus.

Stattdessen leiden an vorderster Front die Aktien altehrwürdiger Unternehmen: in den USA die der Handelskette Wal-Mart und des Ölkonzerns Exxon, in Deutschland die von Thyssen-Krupp und Henkel. Diese Firmen profitieren ganz besonders vom Boom der Weltwirtschaft. Die Aktienkurse waren vorher überdurchschnittlich stark gestiegen. Hier streichen Anleger jetzt die größten Kursgewinne ein. Deshalb drängen sich Gewinnmitnahmen auf.

Grund für die erstaunliche Stärke der sonst so schwankungsanfälligen Technologiewerte ist ihre vorangegangene Schwäche. Seit dem Platzen der Technologieblase nach der Jahrtausendwende fristen die entsprechenden Aktien ein eher stiefmütterliches Dasein. Erst fielen ihre Kurse jahrelang überdurchschnittlich stark, weil sich viele Hoffnungen nicht erfüllten. Dann erholten sie sich weniger stark als die Standardwerte. Viele Anleger verzeihen bis heute nicht, dass die Werte so stark abgestürzt sind. Weil viele Investoren nicht ein zweites Mal auf die Nase fallen wollen, meiden sie das Segment lieber ganz. Die Folge: Jahrelang stiegen die Unternehmensgewinne im Technologiesektor stärker als die Kurse.

Jetzt, wo die Börsen auf breiter Front unter Druck geraten, stehen die Technologie-Aktien wieder abseits – was ihnen zu Gute kommt. Die Kurse stürzen nicht ab, weil Anleger die Aktien vorher links liegen gelassen haben. Der Verkaufsdruck ist auch deshalb geringer, weil die Aktien gemessen an den Gewinnen der Unternehmen moderat bewertet sind und Anleger in der Branche nicht überinvestiert sind.

In Deutschland verliert der TecDax zwar mehr als der große Dax. Auf den ersten Blick stimmt deshalb die These von der relativen Stärke der High-Tech-Aktien nicht. Aber das Bild ist hier zu Lande verzerrt. Im TecDax tummeln sich Aktien aus der Boombranche der erneuerbarer Energien. Allein dieses Segment hat den Index zuletzt stark nach oben gezogen – und drückt ihn jetzt eben nach unten. Ansonsten halten sich Software-, Internet- und ähnliche Titel wie auch in den USA erstaunlich gut. Das Vorurteil gegenüber Technologiewerten, dass sie in schwächeren Börsenzeiten überdurchschnittlich viel verlieren, ist also falsch. Das zeigt sich am besten an so schwachen Börsentagen wie jetzt.

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