Bulle & Bär
Telekom-Anleihen: Nichts für Neueinsteiger

Banken raten vom Kauf von Anleihen der Deutschen Telekom ab. Doch Privatanleger, die die Bonds schon lange besitzen, sollten sie auf jeden Fall halten.

FRANKFURT. Der Schock über die zweite Gewinnwarnung der Deutschen Telekom in nur sechs Monaten ist an den Anleihen der Telekom überraschend spurlos vorübergegangen. Während der Kurs der T-Aktie nach der Warnung um zeitweise mehr als fünf Prozent einbrach, stiegen die Risikoaufschläge der ausstehenden T-Anleihen im Volumen von 37,4 Mrd. Euro nur um maximal 0,02 Prozentpunkt.

Doch die Aufschläge dürften deutlicher steigen, wenn die Ratingagenturen die Daumenschrauben anziehen. Die Agenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch bestätigten zwar kurz nach der Gewinnwarnung ihre aktuellen Bonitätseinstufungen im unteren Bereich der Note „A“, das entspricht guter Kreditwürdigkeit. Dennoch sind die mahnenden Worte nicht zu überhören. Die Meldung zeige, wie schwierig es für das Management sei, den Rückgang am heimischen Markt einzuschätzen, hieß es bei Fitch. Dies sei ein beunruhigendes Zeichen und übe Druck auf das Rating aus.

S&P betonte, dass die Telekom mit Blick auf das Rating jetzt kaum noch Spielraum für weitere Verschlechterungen ihrer Prognosen habe. Die Nettoverbindlichkeiten sind nach Berechnungen von S&P schon jetzt 3,1-mal so hoch wie der operative Gewinn (Ebitda). Diese Finanzkennzahl ist den Bonitätswächtern ohnehin schon zu hoch für ein Single-A-Rating, und der Ausblick ist von daher schon länger negativ.

Roger Appleyard von der französischen Großbank BNP Paribas hält das Telekom-Rating bei S&P für „hochgefährdet“, zumal der Ausblick – anders als bei Moody’s und Fitch – schon länger negativ ist. Die geringste Gefahr für eine Herabstufung droht bei Moody’s, weil die Agentur bei der Einstufung ausdrücklich den noch hohen Anteil des Staates als Stütze für das Rating sieht. Der Bund hält selbst und über die KfW Bankengruppe noch 31,7 Prozent an der Telekom.

Nichtsdestotrotz gelten die T-Anleihen als teuer, und eine Herabstufung ist noch nicht in den Bewertungen enthalten. So rentiert eine in gut fünf Jahren fällige Anleihe der Telekom mit rund 4,5 Prozent. Vergleichbare Zinspapiere von Telecom Italia und KPN, die S&P und Fitch mit „BBB+“ und Moody’s noch eine Stufe schlechter bewertet, rentieren um die 4,7 und 4,8 Prozent.

Von daher raten Banken vom Kauf der Anleihen der Deutschen Telekom ab. Privatanleger, die T-Anleihen vor rund fünf Jahren gekauft haben, als ein noch wesentlich höherer Schuldenberg den Konzern drückten, sollten die Bonds allerdings halten. Denn damals lagen die Kurse unter 100 Prozent, und die Zinsscheine der älteren Bonds sind extrem hoch. So gab es zum Beispiel für die im Mai 2012 fällige Anleihe vor gut fünf Jahren Renditen von 8,5 Prozent. Solche Renditen gibt es heute nur noch für Junk-Bonds, also hochverzinste Anleihen ausfallgefährdeter Schuldner. Und zu diesen gehört die Telekom auch dann nicht, wenn die Agenturen den Daumen senken.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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