Bulle & Bär
Templeton: In der Krise

Ein guter Ruf ist schwer erarbeitet. Meist dauert es Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte. Das gilt für Unternehmen, aber auch für Fonds. Der Templeton Growth Fund (TGF) ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Er ist das Aushängeschild von Franklin Templeton Investments. Der Star der Gesellschaft.

FRANKFURT. Seinen guten Ruf hat er sich über Jahre verdient. Seine beste Zeit hatte er in der Krise. Nicht weil er so stark zulegte, sondern weil er so wenig verlor. Als die Dotcom-Blase platzte und weltweit die Aktienkurse abschmierten, hielt der TGF stand. Nur zwei Prozent verlor der Kultfonds zwischen 2000 und 2003, während der MSCI World Index um fast 40 Prozent einbrach und andere große Aktienfonds mitriss. Seither gilt der TGF als Fonds für die Krise, als Fels in der Brandung. Viele Deutsche vertrauen Franklin Templeton Investments ihren Altersgroschen an.

Kein Fonds verkörpert die Investment-Philosophie von Sir John Templeton, dem legendären Gründer der Gesellschaft, so sehr wie der TGF. Unterbewertete Aktien aufspüren, wenn nötig über Jahre abwarten und dann teuer verkaufen - an der Value-Strategie Sir Johns hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nichts geändert (von "value" - Wert). Mittlerweile beschäftigt der Fonds ein riesiges Analystenteam, das weltweit nach Aktienperlen sucht und fast sklavisch am Konzept seines Investmentvaters festhält.

Aus, Schluss, vorbei. Der gute Ruf des TGF ist angeknackst. Die Finanzkrise hat den Fonds voll erwischt; in den vergangenen zwölf Monaten ist das Fondsvermögen der US-Variante um knapp 30 Mrd. Dollar gesumken. Geblieben sind lediglich 11,9 Mrd. - mehr nicht. Kaum besser erging es der Euro-Version. Aus 7,8 Mrd. Euro wurden drei Milliarden Euro. Ein Krisenfonds in der Krise.

Fondsmanagerin Cindy Sweeting wirbt derweil um Geduld. Seit Anfang des Jahres führt sie die Geschäfte beim TGF. Ihr Auftrag damals: den schwächelnden Fonds wieder auf Vordermann bringen. Ihr Problem heute: Als sie ihren Job im vergangenen Winter antrat, sah es an den Börsen noch sehr viel besser aus als in diesen Tagen.

Es folgte die Panik, weltweit rutschten die Aktienkurse rasant ab. Ein ohnehin schwächelnder Fonds, dazu eine neue Managerin. Offenbar weit mehr als die verunsicherten Anleger vertragen konnten. Viel Geduld hatten sie nicht mit der neuen Chefin. Sweeting konnte nur verlieren.

Besonders hart traf den Fonds der Absturz der Bankaktien, von denen einige im Depot des TGF liegen. Ansonsten ist der Fonds traditionell defensiv aufgestellt - Pharmawerte, Energieaktien. Viel schwerer wiegt der Vertrauensverlust.

Sweeting bleibt derzeit kaum mehr als Durchhalteparolen auszugeben. Das Verkaufsargument Abgeltungsteuer zieht nicht mehr. Dafür war der TGF zuletzt einfach zu schwach. Andere defensive Aktienfonds waren stabiler.

Besserung ist nicht in Sicht. Den guten Ruf wiederherzustellen, wird einige Zeit dauern.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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