Bulle und Bär
Teure Staatsanleihen

Rentenfondsmanager dürften in diesen Tagen spürbar aufatmen. Staatsanleihen sind angesichts der allgemeinen Unsicherheit an den Finanzmärkten gefragt wie lange nicht mehr und bescherten den Fonds deshalb auf Monatssicht ein leichtes Plus.

FRANKFURT. Rentenfondsmanager dürften in diesen Tagen spürbar aufatmen. Staatsanleihen sind angesichts der allgemeinen Unsicherheit an den Finanzmärkten gefragt wie lange nicht mehr und bescherten den Fonds deshalb auf Monatssicht ein leichtes Plus.

Noch vor zwei Monaten standen dagegen vielen Asset-Managern, die Fonds für Staatsanleihen verwalten, die Schweißperlen auf der Stirn: Die Kurse der als sicher geltenden Staatsanleihen waren von Mai bis Anfang Juni so deutlich gefallen wie seit drei Jahren nicht mehr. Entsprechend stiegen die Renditen auf die höchsten Werte seit 2002. Die zehnjährige Bundesanleihe - das Maß aller Dinge für die Entwicklung der langfristigen Kapitalmarktzinsen im Euro-Raum - rentierte in der Spitze mit knapp 4,7 Prozent, zehnjährige US-Staatsanleihen warfen 5,3 Prozent Rendite ab.

Damals kursierten - zumindest unter der Hand - Spekulationen, dass die zehnjährigen Renditen im Euro-Raum in absehbarer Zeit auf über fünf und in den USA auf sechs Prozent klettern könnten. Auslöser für die Renditeanstiege waren deutlich besser als erwartete Konjunkturdaten im Frühjahr; die US-Produktion legte kräftig zu und auch der breite Immobilienmarkt erholte sich. Und das, obwohl die Subprime-Krise um schwache private US-Hypothekenkunden schon Anfang des Jahres reihenweise auf die schwache Klientel spezialisierte Hausfinanzierer in die Knie gezwungen hatte.

Inzwischen hat sich die Lage grundlegend geändert. Die Subprime-Krise hat sich zur Liquiditäts- und Vertrauenskrise ausgeweitet und schlägt sich auch auf die Realwirtschaft, vor allem den US-Arbeitsmarkt, nieder. Die Finanzmärkte gehen deshalb jetzt davon aus, dass die US-Notenbank Fed den Leitzins von derzeit 5,25 Prozent bei ihrer nächsten Sitzung in der kommenden Woche senken wird. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen zuletzt konstant bei vier Prozent gehalten, vor ein paar Wochen waren die Märkte fest von einer Leitzinserhöhung ausgegangen.

Deshalb sind auch die langfristigen Kapitalmarktzinsen im Euro-Raum und in den USA kräftig auf zuletzt rund 4,1 und 4,4 Prozent abgesackt. Damit dürfte aber bald das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Die Commerzbank hat ausgerechnet, dass die Renditen nach Zinssenkungen nur noch leicht gefallen sind, weil die Märkte diese bereits vorweggenommen hatten. Das dürfte auch diesmal der Fall sein, vor allem wenn man bedenkt, dass der US-Leitzins schon jetzt deutlich über dem Langfristzins am Kapitalmarkt liegt. Im Euro-Raum sind zudem angesichts der Sorge um steigende Inflationsraten weitere Zinserhöhungen noch lange nicht vom Tisch.

Fazit: Anleger sollten jetzt keine langlaufenden Anleihen - weder direkt noch über Fonds - kaufen. Spätestens, wenn sich die Turbulenzen an den Finanzmärkten etwas gelegt haben, dürften die Renditen wieder anziehen und dann attraktivere Einstiegsniveaus bieten.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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