Bulle & Bär
Threadneedle-Fondsmanager fällt aus der Reihe

Es ist nie leicht, bei Börsenexperten zwischen gespielter Rolle und ehrlicher Meinung zu unterscheiden. Pessimisten erschlagen ihre Gegenüber oft mit Thesen über die verfehlte Geldpolitik der US-Notenbank, irreführende Inflationsraten, illiquiden Banken und dem Zusammenbruch des Weltfinanzsystems. Optimisten bringen seit Jahren die gleichen Argumente.

FRANKFURT Sie leiern bisweilen mit Argumenten wie günstigen Bewertungen, niedrigen Zinsen, Megatrends und den "selektiven Kaufgelegenheiten" wie eine Schallplatte, die seit nunmehr fünf Jahren auf dem Plattenteller liegt.

Umso genauer sollte man hinhören, wenn ein Fondsmanager mit unbequemen Thesen herausrückt, die so gar nicht in den berufsbedingten Optimismus der meisten Aktienfondsmanager passt. Der Threadneedle-Fondsmanager Dan Ison etwa fällt derzeit deutlich aus der Reihe. Er glaubt an ein insgesamt sehr schmerzhaftes Jahr 2008 und gewinnt insofern an Glaubwürdigkeit, als dass er mit dem von ihm verwalteten Fonds nur auf steigende Aktienkurse setzen kann und nicht von einem Crash profitiert. Kern seiner Überlegungen ist, dass die Gewinnerwartungen der Analysten für die Jahre 2008 und 2009 viel zu optimistisch sind. "Die Gewinnprognosen zu Jahresbeginn stimmen ganz selten mit den tatsächlichen Ergebnissen überein: 2001 und 2002 waren sie viel zu optimistisch, seit 2003 dann Jahr für Jahr viel zu pessimistisch." Er rechnet vor, dass sich alleine die US-Märkte in der größten Blase der Unternehmensgewinne seit 90 Jahren befänden und ein Einbruch der Unternehmensgewinne um rund 40 Prozent nur einen Rückfall auf den langjährigen Trend bedeute. In einer Rezession fielen die Unternehmensgewinne aber stets unter den langfristigen Trend. Auch in Europa seien die Prognosen besonders für 2009 zu optimistisch, da auch die Gewinnmargen der Unternehmen selbst ohne Berücksichtigung der Finanzwerte auf einem historisch sehr hohen Niveau lägen.

Wie sollten sich also Anleger verhalten, die die grundsätzliche Skepsis von Ison teilen, sich aber auch nicht ganz aus dem Markt verabschieden wollen? Sein aktuelles Portfolio weist eine selbst für Pessimisten interessante Strategie auf: Finanzwerte hat er drastisch untergewichtet. Auch die defensiven Branchen wie Telekom, Versorger und Pharma spielen keine Rolle. Stattdessen setzt er auf ein konzentriertes Portfolio von nur 30 Werten, in dem vor allem Technologie- und Energiewerte sowie Unternehmen mit starkem Gewinnwachstum setzt. "Nach seiner sieben Jahre langen Dominanz der Substanzaktien dürfte der 2007 eingeleitete Trendwechsel hin zu Wachstumswerten noch länger anhalten", glaubt Ison. Schlecht schlafen lässt Ison sein Pessimismus nicht. Eine handfeste Kreditkrise hätte schließlich auch Vorteile für Fondsmanager, zum Beispiel mit Blick auf die Bilanzen und Jahreszahlen der Unternehmen. "Erst wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer nackt geschwommen ist", zitiert er Warren Buffett.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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