Bulle und Bär
Trennung von Post und Postbank nichts als Gerüchte

Nach quälend langen Analystenkonferenzen hört mancher Beobachter gelegentlich das Gras wachsen, insbesondere wenn Vorstände erste Ermüdungserscheinungen zeigen und nicht mehr ganz genau auf ihre Wortwahl achten. So geschehen neulich bei der Deutschen Post.

Post-Chef Klaus Zumwinkel sorgte in einer ansonsten eher müden Veranstaltung für einen "Hallo Wach Ruf". Locker, wie es des Rheinländers Art ist, parlierte der Vorstandschef des Dax-Konzerns über seine Pläne mit der Finanztochter Postbank. Nach der vollständigen Liberalisierung des Briefmarkts will er neu über die Zukunft der Postbank nachdenken, sagte er. Für die Kunden sei die Post und die Postbank eins - doch könne sich dies langfristig ändern. Es gebe ein reges Interesse anderer Banken an dem Institut. Zumwinkel bediente damit gewollt oder ungewollt die Erwartungen des Marktes. Denn Analysten hatten für den Verkauf plädiert, um der Kursentwicklung beider Aktien Schwung zu verleihen. Steht die Postbank danach aber nun schon 2008 zum Verkauf? Denn dann fällt das Briefmonopol weg. Eine Spekulation war geboren.

Zwar sagte Zumwinkel im gleichen Atemzug, dass die Postbank derzeit nicht zum Verkauf stehe. Doch der Kurs der Postbank-Aktie explodierte. Das hohe Kursniveau hielt einige Tage - unterbrochen nur von Gewinnmitnahmen - an. "Die Anleger setzen darauf, dass sich die Post über kurz oder lang von der Postbank trennen könnte", sagten Händler. Was ist dran?

Nichts. So einfach ist die Antwort. Es gibt weder Anlass noch Motivation, die Postbank zu verkaufen. Die Post braucht kein Geld, etwa für große Übernahmen. Um Kasse zu machen, verkauft sie verstärkt Immobilien. Nur um sich auf das Kerngeschäft Logistik und Post zu konzentrieren, einen solchen Wert wie die Postbank aus der Hand geben? Über Bargeld freuen sich allenfalls die Aktionäre. Tatsächlich wäre dies aber nichts anderes als das Verschleudern von Tafelsilber. Denn die Postbank dürfte ihren Wert noch steigern. Viele Analysten erhöhten nach der Vorlage der Neun-Monatszahlen ihre Einstufung und bescheinigten der Postbank Aufwärtspotenzial. Dass sich andere Banken für das Institut interessieren, ist also kaum erstaunlich.

Im Grunde ist an Zumwinkels Äußerungen nichts grundlegend Neues zu erkennen. Denn er hat eigentlich nie ausgeschlossen, dass er sich eines fernen Tages von der Postbank trennen könnte, frei nach dem Motto: "Man soll nie nie sagen". Alle Spekulationen, die den Verkauf der Postbank von der Person Zumwinkel abhängig machen, sind daher schlicht falsch. Er wird verkaufen, wenn es sinnvoll oder nötig ist. Im Moment ist dies aber kein Thema, nicht zuletzt, weil die Postbank noch als Ertragsbringer gebraucht wird. Denn im Briefgeschäft gerät das Ergebnis wegen der Liberalisierung unter Druck, und im Express- und Paketgeschäft lässt die Ertragsentwicklung noch Wünsche offen.

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