Bulle & Bär
Trügerischer Niedrigzins

Haben Sie einen Bogen um Zertifikate gemacht? Haben Sie Ihre Aktien rechtzeitig verkauft? Haben Sie einen sicheren Job? Dann war die Gelegenheit selten so günstig wie jetzt, eine Immobilie zu finanzieren.

DÜSSELDORF. Die Zinsen für die traditionelle Hypothek mit zehn Jahren Laufzeit beginnen bei knapp über vier Prozent. Wer sich nur fünf Jahre festlegen will, bekommt schon Angebote wenig über drei Prozent. Und seit die kurzfristigen Zinsen regelrecht abgestürzt sind, locken viele Institute mit variablen Darlehen und einer Zwei vor dem Komma.

Ein Haus mit zwei Prozent Zinsen finanzieren - das hört sich für deutsche Ohren märchenhaft an. Doch die sogenannten Euribor-Darlehen, mit denen derzeit viele Institute werben, haben - wie so vieles im Märchen - einen Haken. Sie bringen keine Planungssicherheit, weil sie quartalsweise neu festgesetzt werden. Diese variablen Darlehen orientieren sich an dem Satz, zu dem sich Banken in der Euro-Zone Geld leihen, eben jenem Euribor. Und der Dreimonats-Euribor ist in jüngster Zeit enorm gesunken, auf rund 1,3 Prozent - so dass die Banken variables Baugeld für wenig mehr als zwei Prozent bieten.

Wer variabel finanziert, sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, letztlich auf fallende Zinsen zu spekulieren. Und sich fragen, ob sich diese Wette lohnt. Denn auch die festen Bauzinsen sind derzeit rekordverdächtig niedrig. Daher sei daran erinnert, dass es in den vergangenen Jahren immer wieder Phasen mit rasanten Zinsanstiegen gab.

Ein kleiner mathematischer Ausflug zeigt, dass die Risiken deutlich größer sind als die Chancen. So liegen nach den Erhebungen der Frankfurter FMH Finanzberatung gängige Sätze für variable Darlehen bei rund 2,5 Prozent. Zehnjährige feste Laufzeiten kosten dagegen rund 4,25 Prozent. Wenn der Bankkunde nun sein Darlehen über 100 000 Euro von Quartal zu Quartal ein Jahr lang zum Superzins von 2,5 Prozent finanzieren könnte, dürften die zehnjährigen Hypothekenzinsen kaum steigen, damit sich das Zittern um den Niedrigzins lohnt. Denn legen die zehnjährigen Sätze nur mehr als einen viertel Prozentpunkt zu, droht schon ein Minus.

Fazit: Wer den besonderen Kick sucht und einen gesegneten Schlaf hat, ist mit variablen Zinsen in sehr variablen Zeiten gut bedient, wer sein Haus solide finanzieren will, eher nicht.

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