Bulle & Bär
Tückische Zertifikate

Zertifikate-Investoren haben derzeit ein handfestes Problem. Welcher Megatrend ist wohl der größte, in den es sich über Themenzertifikate zu investieren lohnt? In immer kürzeren Abständen lancieren Emittenten derzeit Zertifikate, welche die Kursentwicklung eines Korbs an Aktien aus den Bereichen nachhaltige Energien, Uranproduzenten oder WM- und Olympiaprofiteuren abbilden.

Just heute endet die Zeichnungsfrist für das „Value Brauereien-Zertifikat“ der BayernLB. Getrunken wird schließlich immer. Getrickst auch: Das Bier-Zertifikat bildet die Kursentwicklung von sieben Brauereiaktien ab, allerdings ohne Dividendenberücksichtigung und stur ohne Anpassung des Korbs, dafür aber mit 1,5 Prozent Ausgabeaufschlag.

Investoren tun gut daran, mit Themenzertifikaten im aktuellen Börsenumfeld Vorsicht walten zu lassen. Sie eignen sich nur in homöopathischen Dosen als Depotbeimischung, denn die Flut an neuen Papieren erinnert fatal an die Endphase der letzten Hausse im Jahr 2000. Die damalige Schwemme war rückblickend ein verlässliche Indikator dafür, dass die Kurse der meisten Aktien überzogen waren. Waren seinerzeit Brennstoffzellen, Internet-profiteure und Biotechnologieaktien die Themen der Saison, werden heute Rohstoff-, Ökoaktien, und Sportwettenaktien heiß gehandelt. Doch weder glaubwürdige Trends noch markige Namen wie das „Asia Tsunami Zertifikat“ oder der „Internet B2B Korb“ schützten Investoren seinerzeit vor Kursverlusten von teils 90 Prozent. An das Desaster der Jahre 2000 bis 2002 erinnert nur noch wenig: Die meisten Papiere sind durch ihr Laufzeitende inzwischen von den Kurszetteln verschwunden.

Zudem wiegen Themenzertifikate Investoren in der trügerischen Sicherheit, es brauche nur die nötige Geduld, bis ihr Investment Früchte trägt. Doch Aktien bleiben immer noch Aktien, selbst wenn Emittenten sie in einen Zertifikate-Mantel verpacken. In einer Korrekturphase – auch dies lehrt die letzte Baisse – schert sich der Markt wenig um die rosarote Zukunft vermeintlicher Boombranchen. Wer mit Themenzertifikaten eine hohe Rendite erzielen will, sollte von steigenden Aktienmärkten ausgehen – und dabei die drei vergangenen, starken Börsenjahre im Hinterkopf haben.

Zugegeben: Viele Emittenten haben aus den bitteren Erfahrungen mit Themenzertifikaten vor fünf Jahren gelernt und die Ausstattungsmerkmale verbessert. Anleger sollten es ihnen gleich tun und nur zu Themenzertifikaten greifen, die eine regelmäßige Anpassung der Basiswerte anhand fester Kriterien vorsehen und Dividenden berücksichtigen. Noch wichtiger ist allerdings, schon beim Kauf eines Themenzertifikats mögliche Fehler einzuplanen. Dabei hilft ein Limit, zu dem ein Engagement in ein Themenzertifikat beendet wird, wenn die Verluste aus dem Ruder zu laufen drohen. So lassen sich bittere Erfahrungen der letzten Baisse ersparen.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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