Bulle & Bär
Tui-Umtauschanleihe: Ramsch oder Rarität?

Auf der Tui-Hauptversammlung vergangene Woche kamen Vorstand und Aufsichtsrat mit einem blauen Auge davon. Erstmal. Während sich die Wogen nach dem turbulenten Aktionärstreffen glätten, bietet sich wieder ein ruhigerer Blick auf Details an. Seit Januar ist Tui mit einem innovativen Finanzinstrument auf dem Markt.

FRANKFURT. Die Firma sammelte mit ihrer Umtauschanleihe 450 Mill. Euro ein. Das Geld muss bis 2013 an die Investoren zurück fließen. Tui zahlt 4,5 Prozent Zinsen jährlich. Soweit erst mal nichts Besonderes. Doch die Finanzierung ist mit Aktien der englischen Tochter Tui Travel unterlegt. Das heißt, die Anleger könnten ihr Kapital statt in bar auch in Form von Tui-Travel-Aktien zurück erhalten.

Nicht allen Aktionären gefällt das: Wer vor der Hauptversammlung die Tui-Internetseiten besuchte, konnte dort neben Anträgen gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat auch Kritik an dem Finanzinstrument finden. Ein Anleger schimpfte auf die von ihm als Ramsch bezeichnete Umtauschanleihe und bezeichnete die Tui-Geschäftsleitung als Ramschvorstand. Doch das so kritisierte Finanzinstrument erweist sich aus Sicht des Unternehmens als effektive Kapitalbeschaffung, bei der Tui alle Fäden in der Hand behält. Allerdings trägt der Konzern das Risiko, wenn die Kurse der Tui Travel-Aktien steigen.

Der Tui-Mutterkonzern hält sich alle Möglichkeiten offen: Die Rückzahlung der Anleihe erfolgt nur dann mit Aktien, wenn Tui einverstanden ist. Sprecher betonen, dass Tui derzeit nicht plant, seine Anteile an dem englischen Reiseveranstalter einzutauschen. Aktuell ist die Anleihe zum Nominalwert von 450 Mill. Euro mit rund 122 Mill. Tui Travel-Aktien unterlegt. Der Umtauschpreis beträgt 3,686 Euro je Aktie.

Sollte der Kurs der Tui Travel-Aktie darüber steigen, würden die Anleger von einer Wandlung der Anleihe in Aktien profitieren. Inhaber der Anleihe haben ab Januar 2011 die Möglichkeit, das Papier zum Tausch gegen Aktien anzumelden. Wenn Tui, wie derzeit geplant, die Aktien behalten will, muss das Unternehmen den Anlegern eine Vergütung in Höhe des jeweils aktuellen Börsenkurses der Tui Travel-Aktie zahlen. Für Tui würde das die Finanzierung verteuern, weil dann mehr als der Nennwert der Anleihe an die Anleger zurück fließt.

Der Reisekonzern verkaufte im Zusammenhang mit der Anleihe-Emission Tui-Travel-Aktien an die Deutsche Bank. Dieses Aktienpaket entspricht einem Kapitalanteil von etwa zehn Prozent. Obwohl Tui eine Rückkaufoption vereinbart hat und alle Stimmrechte behält, wurden Befürchtungen laut, der Konzern wolle damit seinen Ausstieg aus dem Touristikgeschäft vorbereiten. Derzeit jedoch stehen die Pläne zum Verkauf der Tui - Schifffahrtssparte im Vordergrund. Der Verkauf könnte zur Entschuldung des Unternehmens beitragen. Analysten erwarten dann ein besseres Bonitätsranking für Tui. Das könnte auch zu steigenden Kursen bei Tui-Anleihen führen - zum Nutzen der Anleihe-Investoren.

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