Bulle und Bär
Überaschungsindex Cesi prognostiziert steigende Kurse

Der Cesi, Indikator für Kursentwicklungen nach der Bekanntgabe von Wirtschaftsdaten, lässt auf einen Aufwind im Aktienmarkt hoffen. Wie intensiv dieser Wertanstieg an den Börsen sein wird, lässt sich noch nicht sagen.
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DüsseldorfWenn es am schönsten ist, soll man bekanntlich gehen. So heißt es im Job, aber auch an der Börse. Gemeint ist, dass Aktienkurse oftmals dann zu fallen beginnen, wenn die Konjunktur brummt und die Aussichten glänzend erscheinen. Genauso lohnt sich meistens ein Kauf, wenn die Wirtschaft schrumpft und Untergangsszenarien die Medien beherrschen. So geschehen im März 2009: Auf dem Höhepunkt der Krise starteten die Aktienmärkte durch.

Vor diesem Hintergrund hat das Bankhaus Sarasin die Börse einem interessanten Test unterworfen. Chefstratege Philipp Bärtschi untersuchte, wie sich die Aktienkurse nach der Bekanntgabe von Wirtschaftsdaten entwickelten. Gradmesser dafür ist der „Cesi“, der „Citygroup Economic Surprise Index“ – ein von der amerikanischen Großbank entwickelter und an den Finanzmärkten anerkannter Überraschungsindex. Dieser misst die Anzahl der positiven und negativen Überraschungen.

Konkret geht es darum, ob Wirtschaftsdaten wie das Bruttoinlandsprodukt, der Hauspreis- und Einkaufsmanager-Index bis hin zum Verbrauchervertrauen und den Arbeitslosenzahlen besser oder schlechter ausfallen als erwartet. Dies lässt sich messen, weil Analysten und Ökonomen alle relevanten Daten vorab prognostizieren.

Viele negative Konjunkturdaten

Zuletzt ist der Cesi-Überraschungs-Index für die USA dramatisch gefallen. Er notiert auf dem tiefsten Niveau seit Anfang 2009. Grund dafür ist, dass die Statistiker jüngst viele Daten veröffentlicht haben, die weit unter den Durchschnittsschätzungen lagen. Die Folge daraus ist, dass sich die Konjunkturerwartungen eingetrübt haben.

Interessant ist, dass der Cesi-Überraschungs-Index Anfang 2009 und im August 2010 auf sehr niedrigem Niveau notierte – und die Aktienmärkte beide Male durchstarteten, sobald der Index nicht noch tiefer fiel. Grund dafür ist, dass sich Anleger nach einer geraumen Zeit an die negativen Überraschungen gewöhnen, so dass die Börsen erleichtert reagieren, sobald neue schlechte Überraschungen ausbleiben. Umgekehrt sanken die Kurse in den vergangenen Jahren, wenn der Index stark gestiegen war.

Daraus folgt: Ein sehr niedriger Überraschungs-Index bietet eine gute Voraussetzung dafür, dass die Aktienmärkte ihre Schwächephase beenden. Ob daraus allerdings mehr als eine mehrwöchige Zwischenerholung wird, vermögen derartige Quervergleiche zwischen Konjunkturdaten, Erwartungen und Kursentwicklung nicht zu sagen. Denn niemand weiß, ob sich der Überraschungsindex jetzt nicht für längere Zeit auf sehr niedrigem Niveau einpendelt oder sogar noch tiefer fällt. In dem Fall wird auch die Erholung an den Börsen noch einige Zeit auf sich warten lassen. sommer@handelsblatt.com


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