Bulle & Bär
Übernahmen: Die Krisengewinnler

Jetzt also Flowers bei Hypo Real Estate. Davor war es in diesem Jahr VW mit dem Einstieg bei Porsche, garniert mit MAN und Scania. Und in den USA sind mit Microsoft und Yahoo ebenfalls sehr prominente Namen auf der Wer-kauft-wen-Liste vertreten.

FRANKFURT. Jetzt also Flowers bei Hypo Real Estate. Davor war es in diesem Jahr VW mit dem Einstieg bei Porsche, garniert mit MAN und Scania. Und in den USA sind mit Microsoft und Yahoo ebenfalls sehr prominente Namen auf der Wer-kauft-wen-Liste vertreten.

Keine Frage, die mehr oder weniger überraschenden Übernahmen bzw. Übernahmeversuche bewegen die Aktienmärkte in diesem Jahr mehr als dies viele Experten erwartet hätte. "Der Markt mit Fusionen und Übernahmen wird 2008 seine Rolle als Kurstreiber verlieren" hieß es beinahe unisono zu Jahresanfang.

Jetzt aber treiben plötzlich Übernahmen und Beteiligungen die Kurse wie kein anderes Thema. Diejenigen, deren Name noch nicht in den Schlagzeilen aufgetaucht ist, um die ranken sich zumindest Gerüchte. Tui und Fresenius Medical Care gehören ebenso dazu wie beinahe schon traditionell die Commerzbank und die Postbank, auch BASF wurde jüngst genannt.

Auffällig ist, dass vor allem die Marktschwergewichte aus dem Dax in diesem Jahr im Rampenlicht des Übernahmeinteresses stehen. Hat die Welle der vergangenen Jahre meist die kleinen und mittelgroßen Werte in der Größenordnung bis zum MDax nach oben geschwemmt, so sind 2008 die Schwergewichte an der Reihe. Bei denen gab es in der Vergangenheit zwar ebenfalls prominente Beispiele - erinnert sei an die Schering-Übernahme durch Bayer und den Reebok-Deal von Adidas - die komplette Verlagerung von den Nebenwerten in den Bereich der Blue Chips ist indes neu, unerwartet und als Kurstreiber herzlich willkommen.

In den vergangenen Jahren waren es vor allem die Beteiligungsgesellschaften, die das Potenzial deutscher Nebenwerte entdeckt haben und mit üppigen Geboten ganze Indizes wie den MDax und den SDax nach oben getrieben haben. Jetzt hat sich die Situation gewandelt und es sind die schwergewichtigen Industrie- und Finanzkonzerne selbst, die die stark gesunkenen Kurse als günstige Gelegenheit für die Übernahme von Wettbewerbern nutzen.

Dennoch muss die Frage gestellt werden, ob es diese Übernahmeversuche auch gegeben hätte, wäre die Finanzkrise der letzten neun Monate ausgeblieben.

Wahrscheinlich nicht, denn an viele Deals war vor Monaten schlichtweg überhaupt nicht zu denken. Die Konsequenz für den Anleger kann daher salopp ausgedrückt nur lauten: "Nichts ist (nun) unmöglich". Deshalb könnten in den nächsten Monaten bei Marktschwergewichten noch eine Reihe von Übernahmen anstehen, die es in "normalen" Phasen nie gegeben hätte.

Den Kursen der betroffenen Unternehmen gibt das in der Regel einen spürbaren Schub. Besonders dann, wenn eine Wettbewerber durch ein Gebot erst auf den Plan gerufen wurden und ein höheres Gegenangebot abgibt. Dann ist der Turbo gezündet. Gezielt auf Einzelfälle zu spekulieren, die davon betroffen sein könnten, ist jedoch schwer. Es reicht jedoch zu wissen, dass es diesen Effekt gibt.

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