Bulle & Bär
Unsicherheit um Puma

Die Puma-Aktionäre sollten sich den 27. April 2006 jetzt schon dick in ihrem Kalender anstreichen. Denn zum ersten Mal seit Jahren verspricht die Hauptversammlung des drittgrößten Sportartikel-Anbieters der Welt wieder spannend zu werden.

MÜNCHEN. Zuletzt war das Treffen angesichts des rasanten Wachstums nicht mehr als eine Zusammenkunft gut gelaunter Aktionäre mit dem Management im familiären Rahmen des Herzogenauracher Vereinshauses.

Doch kommendes Jahr wird alles anders. Dann werden die neuen Großaktionäre, die Geschwister Herz, ihren ersten großen Auftritt bei Puma haben. Mit 25 Prozent halten die Tchibo-Erben das größte Aktienpaket an dem Adidas-Konkurrenten. Sollten 2006 nicht außergewöhnlich mehr Aktionäre als zur letzten Hauptversammlung kommen, dann können die Hamburger Milliardäre mit ihrem Anteil die Beschlüsse nach ihrem Belieben beeinflussen. Am 27. April wird sich also womöglich erstmals öffentlich zeigen, in welche Richtung sie das fränkische Unternehmen steuern werden.

Welchen Einfluss die Geschwister bereits jetzt auf Puma ausüben, das hat sich schon in der vergangenen Woche gezeigt. Erst kündigten sie den Einzug ihres Vertrauen Rainer Kutzner in den Aufsichtsrat an. Dann sorgten Äußerungen Kutzners für viel Aufregung, dass die Herzens womöglich die Mehrheit an Puma übernehmen könnten.

Die freien Aktionäre können sich über solche Gedankenspiele zumindest kurzfristig freuen, denn sie erzeugen Übernahmephantasie und treiben damit den Kurs in die Höhe. Puma selbst aber schaden die Spekulationen. Denn niemand weiß momentan, wie es tatsächlich weiter gehen wird mit dem am stärksten wachsenden Sport-Konzern der letzten Jahre. Derzeit lässt sich nur rätseln über die Pläne der Geschwister Herz. Doch das verunsichert die Mitarbeiter und bringt Unruhe in das bislang reibungslos funktionierende Team um Vorstandschef Jochen Zeitz.

Die Unsicherheit ist umso schlimmer, als das Geschäft eigentlich gut läuft. In Amerika, dem wichtigsten Sportmarkt der Welt, verkauft Puma so viele Turnschuhe und T-Shirts wie noch nie. Zudem steht kommendes Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft im Heimatmarkt Deutschland vor der Tür. Dabei hat Puma zwölf der 36 Mannschaften unter Vertrag. Das wird den Verkauf von Fan-Trikots ankurbeln und so für zusätzliche Umsätze sorgen. Und der Fußball-Afrika-Cup im Januar ist für Puma schon fast ein Heimspiel, weil sieben von 16 Teams mit Trikots der Raubtiermarke auflaufen werden.

Puma selbst ist bereits dafür gewappnet, dass die Hauptversammlung 2006 auf mehr Interesse stößt als in den vergangenen Jahren. Denn zum ersten Mal findet das Treffen im neuen, schicken Markenzentrum des Konzerns im benachbarten Nürnberg statt und nicht mehr im bescheidenem Rahmen des Herzogenauracher Vereinshauses.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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