Bulle & Bär
Uran: Trendwende lässt auf sich warten

Auf den ersten Blick mutet es geradezu paradox an: Wer angesichts der vielen geplanten Atomkraftwerke und der oft beschworenen Renaissance der Kernkraft auf einen steigenden Uranpreis gesetzt hat, ist in den letzten 15 Monaten bitter enttäuscht worden. Zuletzt stieg der Preis zwar wieder, doch von einer Trendwende zu sprechen, wäre noch zu früh.

KAPSTADT. War der Preis für ein halbes Kilo des nuklearen Brennstoffes noch im Juni letzten Jahres in Erwartung einer hohen Nachfrage auf das Rekordhoch von 140 Dollar geschnellt, ist Uran seitdem auf zeitweise nur noch 40 Dollar abgesackt.

Kein Wunder, dass auch die Aktienkurse der Förderer kräftig gepurzelt sind, allen voran der des einstigen Hoffnungsträgers Uranium One. Sein Preis fiel gleich um mehr als 90 Prozent – von einem Rekordhoch bei 135 Rand (rund 10,50 Euro) auf wenig mehr als fünf Rand vor einem Monat. Erschwerend kam bei dem Unternehmen allerdings hinzu, dass das inzwischen abgelöste Management die Aussichten der südafrikanischen Dominion-Mine viel zu lange schön redete. Von zunächst zwei Millionen Pfund wurde das Produktionsziel für 2008 auf 590 000 Pfund und schließlich auf nur noch 320 000 Pfund reduziert. Nachdem das einstige Flaggschiff angeblich mehr als eine Milliarde Rand verbrannt hat, soll es nun gänzlich geschlossen werden.

Dass sich der Aktienpreis von Uranium One dennoch auf rund neun Rand erholt hat, dürfte neben der Schließung des Verlustbringers noch zwei weitere Gründe haben: zum einen wird Uranium One inzwischen mit einem kräftigen Abschlag zu seinen Konkurrenten wie etwa dem kanadischen Marktführer Cameco gehandelt. Zum anderen hat es den Anschein, als ob der Uranpreis die Tiefstände überwunden hat.

Der leichte Preisanstieg auf mehr als 50 Dollar pro Pfund wird von Experten mit der gestiegenen Nachfrage vonseiten der Atomkraftwerke begründet und am Markt bereits als Trendwende gefeiert. Nicht wenige glauben, dass trotz der zuletzt neu in Betrieb genommenen Uranminen in Kasachstan und Namibia auch fortan mit weiter steigenden Uranpreisen zu rechnen ist. Langfristig dürfte aber auch die zunehmende Nachfrage der Nuklearindustrie in China, Indien und Russland sowie ein knappes Angebot den Uranpreis nach oben treiben, heißt es.

Nach den vielen Enttäuschungen der letzten Monate ist es aber noch zu früh, bereits eine Trendwende zu bejubeln: Denn dazu sind die Preise lange Zeit derart stark gefallen, dass viele Marktteilnehmer in Erwartung eines möglichen Uran-Überangebots kaum noch Geschäfte abschließen. Eine gewisse Skepsis ist schon deshalb angebracht, weil Uran, anders als etwa Erdöl, weltweit reichlich vorhanden ist. Die jüngsten Lieferengpässe beruhten vor allem darauf, dass wegen der aus der Mode gekommenen Kernenergie jahrelang kaum neue Vorkommen erschlossen wurden.

Andererseits gibt es gute Gründe, die für einen stärkeren Aufschwung der Kernenergie sprechen, allen voran die Energieknappheit sowie der Klimawandel. Zudem ist die Akzeptanz der Kernenergie weltweit gestiegen. So will allein der Westen seine Atomstromkapazität bis 2015 um knapp 25 Prozent erhöhen. Hinzu kommen ehrgeizige Ausbaupläne in China, Russland oder Indien. Auch sie wollen künftig vor allem mit Atomstrom einen Großteil ihres Energiehungers stillen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%