Bulle & Bär
US-Inflation: Volksverdummung

Bill Gross hat wieder einmal zugeschlagen. Der Anleihe-Guru der amerikanischen Anlagegesellschaft Pimco prangert die Verdummungspolitik seiner Regierung an. Wie? Der Popstar an der Wall Street zitiert in seinem jüngsten Monatsbericht ganz einfach den legendären Präsidenten Abraham Lincoln.

FRANKFURT. Man kann einige Leute immer für dumm verkaufen und alle Leute für eine begrenzte Zeit. Aber man kann nicht alle Leute immer für dumm verkaufen.

Was er hier lautstark anprangert? Die offiziell veröffentlichten Inflationsdaten, die mit der gefühlten Wirklichkeit nicht harmonieren. Der jüngste Verbraucherpreisindex für Mai zeigte eine Jahresrate von 4,2 Prozent. Seltsam nur, dass der Rest der Welt im Schnitt bei sieben Prozent liegt - weit höher und mit klarem Aufwärtstrend in den vergangenen Jahren.

Nach Ansicht des Pimco-Manns brauchen die Anleger wegen der anschwellenden Inflation eine neue Investmentpolitik. Der Stratege empfiehlt seinen Landsleuten die Abkehr von Anleihen, dafür stärkere Engagements in ausgewählten Aktien, Rohstoffen und Schwellenländern. Im Zweifel dürfte das Inflationsthema die Anleger rund um den Globus künftig noch stärker beschäftigen als bisher - auch die Deutschen.

Gross erklärt das Auseinanderklaffen von Gefühl und veröffentlichter Wirklichkeit durch einige statistische Kniffe, mit denen die zuständige US-Behörde ihre Methode in den 90er-Jahren mehrere Male angepasst hat. Einige Beispiele: Wenn Fleisch im Preis steigt, fliegt es aus dem Index, ein billiger Burger kommt hinein. Wenn die Computer leistungsstärker werden, werten die Rechenkünstler das als Preissenkungen.

Eine Frage drängt sich auf: Wie hoch wäre die Preissteigerung bei Anwendung der damaligen Methodik, ohne aufhübschende Eingriffe? Gross macht hier einen Kunstgriff und schreibt: Die Ergebnisse sind nicht schön, aber ich verzichte hier auf eine Veröffentlichung, weil ich das nicht nachrechnen kann.

Im Zweifel hat den Schwarzen Peter jetzt ein anderer. John Williams etwa, den Skeptiker gerne als Verschwörungstheoretiker abkanzeln. Der Amerikaner veröffentlicht auf seiner Internetseite eine Schattenstatistik und erfreut sich damit wachsender Popularität. Williams sagt: Nach alter Rechenmethode liegt die Geldentwertung in den Staaten bei zwölf Prozent!

Die nächsten Preisschübe sind schon in der Pipeline. Sie kommen aus der Rohstoffecke. Öl und andere Energieträger klettern unaufhaltsam. Naturkatastrophen wie das Erdbeben in China und die jüngsten Überflutungen in den USA beschleunigen über Ernteausfälle die Nahrungsmittelpreise. Dow Chemical hat vor einigen Wochen gezeigt wohin die Reise geht. Der Chemiekonzern kündigte wegen der gestiegenen Rohstoffkosten Preiserhöhungen seiner Produkte von bis zu einem Fünftel an. Andere Unternehmen werden folgen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%