Bulle & Bär
Vale mischt die Bergbau-Aktien auf

Das Timing hätte nicht besser sein können: Kurz vor dem Jahreswechsel startete der brasilianische Bergbaukonzern Companhia Vale do Rio Doce (CVRD) eine groß angelegte Imagekampagne und nannte sich in "Vale" um. Der Werbeslogan lautete: eine "globale Marke in Expansion, die Wohlstand für alle schafft", und die Botschaft: "Wir wollen der größte und beste Bergbaukonzern der Welt werden."

SAO PAULO. Einen Monat später scheint Vale dem Ziel bereits näher gekommen zu sein. Denn die Brasilianer wollen den Schweizer Bergbaukonzern Xstrata übernehmen. Der "Financial Times" zufolge haben die Brasilianer 76 Milliarden Dollar geboten. Doch Xstrata-Hauptaktionär Glencore fordere ein Viertel mehr. Bis am 21. März hat Vale Zeit, das Angebot aufzubessern und offiziell zu lancieren.

Für Aktieninvestoren stellt sich die Frage, ob der Zusammenschluss sinnvoll ist. Denn Größe ist kein Selbstzweck. Also: Passt Xstrata zur Vale? Die Antwort fällt leicht: Die beiden Konzerne harmonieren perfekt. Das gilt für Produkte, Abbauregionen, Märkte wie Spezialisierungen: Vale ist der weltgrößter Eisenerzproduzent und stark bei Nickel. Aluminium, Kupfer und Kohle produzieren die Brasilianer auch, aber eher weniger. Für Xstrata hingegen ist Kupfer der dominierende Geschäftszweig, gefolgt von Nickel sowie Zink, Kohle und Aluminium.

Es entstünde im Fall eines Zusammenschlusses der Weltmarktführer für Eisenerz, Kupfer, Nickel und Kohle mit einem Börsengewicht von rund 230 Milliarden Dollar. Mit Blick auf die Kernkompetenzen ergäbe sich eine ideale Aufgabenteilung: Die Brasilianer kümmern sich um die Produktion und die Schweizer um Vertrieb und Verkauf.

Gegen eine Übernahme von Xstrata durch Vale spricht derzeit vor allem der hohe Preis. Der brasilianische Konzern kann die angeblich geforderten 95 Milliarden nur schwer aufbringen, ohne sein gutes Rating zu riskieren. Auch für eine Übernahme mit eigenen Aktien ist der Spielraum eingeschränkt: Die brasilianische Regierung besitzt ein Vetorecht in allen strategischen Entscheidungen. Es besteht also das Risiko, dass sich Vale mit einem erhöhten Cash-Angebot für Xstrata verheben könnte - auch weil Vale gerade mit den großen asiatischen Stahlproduzenten eine Preiserhöhung für Eisenerz von 65 bis 71 Prozent ausgehandelt hat und vermutlich leicht einen größeren Kredit bekommen könnte.

Derzeit ist Vale auf Basis der Gewinnschätzung für das laufende Jahr mit einem moderaten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von elf bewertet. Deshalb bleiben die Aktien des brasilianischen Bergbaukonzerns attraktiv, auch wenn die Übernahme von Xstrata nicht kommt. Die mit den Banken ausgehandelten Kreditlinien könnten auch für andere Zukäufe genutzt werden wie etwa eine Übernahme des amerikanischen Aluminiumherstellers Alcoa, worüber bereits spekuliert wird. Eine Kursverdoppelung wie im vergangenen Jahr ist 2008 jedoch nur zu erwarten, wenn Vale Xstrata besonders billig übernehmen kann. Danach sieht es aber nicht aus.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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