Bulle & Bär
Vergessen Sie all die Pseudotrends

Anleger lieben Trends. Was wird in den nächsten Jahren die Welt verändern, welche Aktien werden profitieren? Die Sehnsucht nach Visionen und Visionären ist groß. Das gilt seit jeher.

Anleger lieben Trends. Was wird in den nächsten Jahren die Welt verändern, welche Aktien werden profitieren? Die Sehnsucht nach Visionen und Visionären ist groß. Das gilt seit jeher.

Nehmen wir Jim Rogers. Der US-Investor sagte 1999 einen kräftigen Aufschwung an den Rohstoffmärkten voraus. Weil die Nachfrage aus den großen Schwellenländern kräftig wachsen würde - und weil sich damals schlicht niemand für Rohstoffe interessierte, die Preise also im Keller waren. Rogers behielt mit seiner Prognose Recht, die Notierungen für Öl, Kupfer oder Aluminium kletterten fortan kräftig. Aus dem bekannten US-Investor Jim Rogers wurde der Investmentguru Jim Rogers. Wohl dem, der kurz vor der Jahrtausendwende auf den Rohstoffexperten gehört hatte.

Dummerweise ist das mit den Visionen nicht ganz so einfach. Es gehört jede Menge Glück dazu. Früh übt sich, wer ein Guru werden will. Das wissen auch die Marketingstrategen der Banken, Fondsgesellschaften oder Zertifikateanbieter. Weil die großen Trends nicht so leicht aufzuspüren sind, versucht man es mit den Kleinen. Vision ist Vision - zumindest ein bisschen.

Fußball als Anlagetrend

Eine Weissagung dieser Tage lautet: Lieber Anleger, halte Dich bereit, denn mit der Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr brechen Wohlstand und Reichtum über Südafrika herein. Wer davon profitieren möchte, sollte sich schleunigst die entsprechenden Produkte ins Depot legen. Fonds, Zertifikate, aber auch einzelne Aktien. Denn eines ist so sicher wie der Ausgabeaufschlag bei einem Südafrika-Fonds: Wenn 2010 in Kapstadt und Johannesburg die besten Fußballmannschaften der Welt gegeneinander kicken, wird nicht nur die hiesige Wirtschaft davon profitieren, sondern Unternehmen aus der ganzen Welt. Adidas, Puma und Nike werden mehr Fußballschuhe verkaufen; Loewe kommt mit der Produktion ihrer Flachbildschirme gar nicht mehr hinterher, weil plötzlich alle Fans eine neue, WM-taugliche Flimmerkiste brauchen. Schön wär's!

Ganz so einfach ist die Sache nämlich nicht. Natürlich ist die WM eine gute Bühne für Sportartikelhersteller. Wer aber glaubt, dass allein deswegen Umsatz und Aktienkurs der Unternehmen rasant steigen, irrt. Das hat die Vergangenheit oft genug gezeigt.

Fraglich ist auch, ob Südafrika selbst überproportional profitieren wird. Zahlreiche Studien haben belegt, dass die positive Wirkung eines sportlichen Großereignisses in der Vergangenheit meist nur recht gering war und auch eher von kurzfristiger Natur. Zwar sei Deutschland eine überzeugende Außendarstellung gelungen, von der Weltmeisterschaft 2006 seien aber "keinerlei nennenswerte positive gesamtwirtschaftliche Effekte ausgegangen", lautet das Fazit einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Seien sie deshalb vorsichtig bei Möchtegern-Trends. Schauen sie besser auf die Aktien guter Unternehmen.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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