Bulle & Bär
Verhaltener Ausblick: Typisch deutsch!

Es ist schon auffällig: Beim Blick in die Glaskugel, wie denn die Börsen im nächsten Jahr laufen werden, zählen die Deutschen wieder einmal zu den größten Pessimisten. Dagegen herrscht bei den Amerikanern weiterhin eitel Sonnenschein. Dabei sind eigentlich sie wegen der inzwischen seit sechs Monaten anhaltenden Immobilienkrise, für all das Zaudern, die Verunsicherung und die Zurückhaltung verantwortlich.

FRANKFURT. Sind wir deswegen wieder die gleichen "Schwarzseher", als die wir im Ausland schon immer gesehen wurden? Oder sind gerade die Amerikaner Meister im Verdrängen der Realität? Es ist eher eine Frage der Blickrichtung als der Mentalität, warum die Prognosen für das kommende Jahr so unterschiedlich ausfallen. In Europa und speziell in Deutschland verstärkt sich mehr und mehr der Eindruck, dass sich die Finanzwelt derzeit sehr stark mit sich selbst beschäftigt. Sie horcht in sich hinein, beobachtet sich selbst und den Wettbewerb und verstärkt dabei mit jeder belastenden Nachricht über weiteren Abschreibungsbedarf das Gefühl der eigenen Fehlbarkeit.

Dass um die Finanzwelt herum viele Branchen wie der Maschinenbau, die Pharma-Industrie oder die Bauwirtschaft weiterhin boomen, hohe Auftragseingänge und Rekordgewinne verzeichnen, findet dabei weit weniger Beachtung, als dies eigentlich der Fall sein sollte.

Umgekehrt ist es jenseits des großen Teichs. Dort sieht man den Finanzsektor als Teil des großen Ganzen. Auch wenn die Finanzkrise dort inzwischen den privaten Wohnungsbau erreicht hat und damit direkte Auswirkungen auf die Realwirtschaft zeigt. Stattdessen argumentieren die Börsianer in den USA mit der weiterhin hohen bzw. sogar steigenden Bautätigkeit im öffentlichen und kommerziellen Sektor.

Die spannende Frage aus beiden Kontinenten wird sein, ob wirklich Bremsspuren der Finanzkrise die anderen Branchen erreichen werden. Dies wird spätestens Mitte 2008 endgültig zu beantworten sein. Noch ist hier zwar nichts zu erkennen, das große Problem vieler Branchen außerhalb der Finanzwelt ist jedoch, dass diese nicht die Möglichkeit haben, selbst Konjunkturprognosen zu erstellen. Sie sehen stattdessen für die eigenen Vorhersagen nur das, was das eigene Unternehmen betrifft. Bricht dann beispielsweise doch die Nachfrage ein, sind sie jedesmal völlig überrascht. Darauf blicken die Deutschen bei ihrer Bewertung.

Auffällig ist allerdings, dass selbst die Schweizer inzwischen die Zukunft weitaus positiver einschätzen als die Deutschen. Und das, obwohl die Schweizer spätestens seit den Abschreibungen bei der Großbank UBS selbst von der Finanzkrise betroffen sind und auch sonst nicht gerade zu überbordender Euphorie neigen. Die Privatbank Pictet lobt beispielsweise, dass die Weltwirtschaft viel ausgeglichener ist als bei der letzten Krise 1998 und sieht deswegen auch 2008 viele Chancen. Das sollte den Deutschen dann doch zu denken geben.

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