Bulle & Bär
Verhexte Börsenwelt

Da steigen und fallen Kurse rasant, und häufig wissen sich selbst Börsianer keinen Reim darauf zu machen. Kursphantasien bei Aktie X, Gewinnmitnahmen bei Wert Y – so lauten die oftmals trivialen Erklärungen, die Händler und Analysten für das Verhalten der Anleger suchen.

HB FRANKFURT. Dabei hat der Herdentrieb am Aktienmarkt in vielen Fällen Gründe, die überhaupt nichts mit der Entwicklung der Unternehmen zu tun haben. Genau solche Kursbewegungen dürften sich heute am Frankfurter Aktienmarkt beobachten lassen. Denn am dritten Freitag jedes dritten Monats im Jahr wirft der Derivatemarkt seinen Schatten auf den Aktienhandel. Die Händler an der Wall Street nennen den Tag „Witch Day“, also Hexensabbat, denn die Kurse sind mitunter wie verhext.

Vier große Gruppen von Derivaten werden am Montag fällig und daher heute zum letzten Mal gehandelt: Es geht dabei um Optionen und Futures auf der Basis einzelner Aktien und der Indizes. Der Wert dieser Papiere hängt vom Kurs der entsprechenden Aktie oder des Indexes ab. Für Käufer und Verkäufer der Derivate entscheidet der heutige Handelstag daher über Gewinn und Verlust aus dem Geschäft.

Dazu machen viele institutionelle Investoren Gegengeschäfte am Aktienmarkt. Das Prinzip ist einfach: Wer will, dass seine Kaufoption für eine Aktie an Wert gewinnt, muss schlicht die Aktie kaufen und damit deren Kurs nach oben treiben. Der Preis der Option steigt dann prozentual stärker als der Aktienkurs, denn das Derivat bildet die Entwicklung mit einem Hebel ab. Der Verkäufer der Option will, dass die jeweilige Aktie oder der Index an Wert verliert und verkauft daher am Aktienmarkt.

Weil die großen Spekulanten an diesem Tag des „großen Verfalls“ gegeneinander antreten, sollten Privatanleger den heutigen Handelstag eher meiden. Die Gefahr ist groß, zwischen den dicken Portfolios zerrieben zu werden. Beim letzten „Hexensabbat“ im Dezember bewegte sich der Dax in einer Spanne von 54 Punkten – einer der lebhaftesten Handelstage des Monats.

Auch heute hat der Dax Potenzial für Turbulenzen. Seit gut sechs Wochen sind die Schwankungsbreiten des Indexes (Volatilität) wieder auf einem hohen Niveau. Gestern stand der VDax – das Maß für die erwarteten Schwankungen des Dax – bei 14,48 Prozent. Zudem könnten die Kurse einzelner Aktien kräftig in Schwingungen geraten. Dabei werden die Derivateanleger vor allem auf Schwergewichte zielen, mit deren Hilfe sich der Index bewegen wird. Der Spuk kann den ganzen Tag über andauern. Kritisch wird es beispielsweise um 13 Uhr, wenn für die Dax-Futures die Klappe fällt. Die Aktienoptionen werden dagegen bis 17.30 Uhr gehandelt. Privatanleger sollten daher lieber erst wieder am Montag handeln, wenn die Kurse wieder in üblichen Bandbreiten steigen oder fallen. Vermutlich wegen Gewinnmitnahmen oder verbesserter Prognosen.

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