Bulle & Bär
Verlockende Renditen aus Griechenland

An den Märkten wird in diesen schweren Zeiten viel spekuliert, und wahre Horror-Szenarien machen die Runde. Eines davon dreht sich um das Auseinanderbrechen der Europäischen Währungsunion. Allein die Furcht davor reicht aus, um die Anleiherenditen der Länder der Euro-Zone auseinander zu treiben. Auffälligstes Beispiel: Griechenland.

FRANKFURT. Die Kurse der griechischen Bonds sind in den vergangenen zwölf Monaten kräftig gesunken und haben Portfoliomanagern ein Minus eingebracht. Folglich will kaum jemand noch Griechen-Bonds im Depot haben. Für Privatanleger, die ihre Portfolios nicht zu Marktwerten bilanzieren und denen es letztlich nur darauf ankommt, dass ein Schuldner pünktlich seine Zinsen zahlt und am Ende der Laufzeit seine Schuld tilgt, ergeben sich dadurch aber Chancen.

Denn Staatsanleihen aus Griechenland locken mit Renditen um die sechs Prozent. Ein in zehn Jahren fälliger Griechen-Bond (ISIN GR0124030645) rentiert derzeit mit 6,3 Prozent, ein in fünf Jahren fälliges Papier (ISIN GR0128002590) wirft 5,8 Prozent Rendite ab. So hoch waren die Renditen zuletzt vor neun Jahren, also kurz bevor Griechenland 2001 tatsächlich dem Euro-Club beitrat.

Sicher hat Griechenland Probleme: Das Haushaltsdefizit ufert aus, der Schuldenberg wächst, Staatsbürokratie und Korruption lähmen die Wirtschaft. Das hat inzwischen auch die Ratingagentur Standard & Poor's erkannt und die Bonitätsnote Griechenlands vor zwei Wochen auf "A-" und damit unter das Rating anderer Euro-Länder gesenkt.

Wie attraktiv die Renditen sind, zeigt sich aber an einfachen Vergleichen. So liegen die Renditen der Griechen-Bonds in etwa gleichauf mit denen von Ländern wie Mexiko und Brasilien, die bonitätsmäßig schlechter dastehen als Griechenland. Bonds aus Tschechien, das noch kein Euro-Mitglied ist, bieten sogar weniger Rendite als hellenische Bonds. Und auch wer Anleihen von "A-"-Unternehmen wie VW oder France Télécom kauft, muss sich mit Renditen unter sechs Prozent begnügen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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