Bulle & Bär
Verschenktes Vermögen

Wenn es um die Rendite des eigenen Portfolios geht, nehmen es viele Anleger sehr genau: Sie kritisieren Managementgebühren von Fondsgesellschaften, studieren stundenlang Zeitungen und Börsenbriefe und diskutieren mit Freunden und Bekannten die Chancen an den Märkten. Trotz dieser Mühen übersehen die meisten Investoren jedoch eins: ihr verstecktes Kapital – und verschenken damit zumindest ein kleines Vermögen.

Denn viele Menschen verfügen über mehr Geld als sie denken. Nach Schätzungen der Dresdner Bank schlummern beispielsweise allein rund 20 Milliarden Euro auf deutschen Mietkautionskonten – und werfen dabei meistens nur eine minimale Rendite ab.

Schuld daran ist, dass ein Großteil des Geldes in einfachen Sparbüchern steckt. Dabei wären Mieter gut beraten, mit einem Produktvergleich möglichst viel aus der niedrig verzinsten Kaution herauszuholen. „Generell entscheiden Mieter und Vermieter aber immer gemeinsam, wie das Geld angelegt werden soll“, sagt Oliver Klink, Leiter Filialprodukte bei der Dresdner Bank. Mieterschützer weisen daher auch schon länger darauf hin, dass die Form der Anlage längst nicht mehr vorgeschrieben ist.

Bei der Auswahl geeigneter Produkte sollten Mieter und Vermieter jedoch darauf achten, dass das Geld sicher und jederzeit verfügbar ist. Interessant sind daher Anlageformen wie beispielsweise Tagesgeldkonten, aber auch Bundesschatzbriefe oder festverzinsliche Wertpapiere. Dabei spielt es übrigens keine Rolle, ob der Mieter das Geld auf seinen Namen anlegt und an den Vermieter verpfändet oder der Vermieter ein separates Konto für die Kaution einrichtet. Auch die Zinsen stehen am Ende – falls nach dem Auszug keine Verpflichtungen mehr offen sind – immer dem Mieter zu.

Obwohl derartige Produkte nur ein paar Prozentpunkte mehr im Jahr abwerfen, zahlt sich die zusätzliche Arbeit dank des Zinseszins-Effektes schnell aus. Wer beispielsweise seine Kaution über 3 000 Euro acht Jahre lang mit einem Zinssatz von vier Prozent anlegt, erhält am Ende mehr als 4 100 Euro ausgezahlt. Bei einem Zinssatz von 0,5 Prozent sind es immerhin fast 1 000 Euro weniger.

Wer noch mehr Rendite will, dem bleibt nur die Bürgschaft der Bank. Dabei muss der Mieter erst gar keine Kaution hinterlegen, sondern kann das eingesparte Geld – allerdings mit höherem Risiko – am Kapitalmarkt anlegen. Für ein so genanntes Mietaval verlangen die Kreditinstitute jedoch eine Gebühr. Diese liegt leicht bei gut drei Prozent, die zusätzlich am Markt verdient werden müssen.

Wer daher lieber auf Nummer sicher gehen will, sollte bei der Mietkaution besser aufs Spekulieren verzichten. Eine anständige Rendite lässt sich auch mit den zuvor genannten Geldanlagen erreichen. Und spätestens der zusätzliche Ertrag kann dann nach dem Auszug an den Kapitalmärkten frei eingesetzt werden.

gastautor@handelsblatt.com

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%