Bulle & Bär: Versicherer sind ausgereizt

Bulle & Bär
Versicherer sind ausgereizt

Merrill Lynch hat die Allianz-Aktie herabgestuft. Sie gilt immer noch als „Kauf“, was inoffiziell ja in der Regel eine neutrale Bewertung darstellt. Ende letzter Woche hatte Oppenheim Allianz ebenfalls als „Kauf“ eingestuft, sogar das Kursziel leicht erhöht, aber angedeutet, die Aktie habe nach der jüngsten Kurssteigerung nicht mehr viel Potenzial.

HB DÜSSELDORF. Die Botschaft beider Studien lautet: Die Aktie ist zwar nicht schlecht, lässt aber keinen Sonderertrag gegenüber dem Deutschen Aktienindex (Dax) erwarten. Der spezifische Zyklus der gesamten Branche ist weitgehend ausgereizt.

Die Aktien der Versicherer unterliegen verschiedenen Zyklen und Trends, die sich überschneiden. Da ist zum einen das langfristige Vorsorgegeschäft. Es gilt seit Jahren als Wachstumsbereich, weil die meisten Staaten sich aus dem Vorsorgebereich zurückziehen und daher Bedarf an privaten oder betrieblichen Lösungen entsteht. Dieser Trend ist in den vergangenen Jahren etwas in Vergessenheit geraten. Jetzt entdeckt die Börse ihn wieder, wie auch die Merrill-Lynch-Studie belegt.

Dann gibt es die Abhängigkeit vom Kapitalmarkt. Weil die Versicherer stark vom Finanzergebnis leben, galten sie lange Zeit sogar als ein Ersatzindikator für den gesamten Aktienmarkt. In der Börsenkrise führte dies aber zu teilweise dramatischen Einbrüchen der Versichereraktien. In der Folge haben sie ihre Abhängigkeit vom Aktienmarkt verringert und dürften daher – selbst wenn es künftig zu Krisen kommen sollte – weniger heftig reagieren. Was bleibt, ist aber die Abhängigkeit vom Zinsniveau. Die Versicherer haben von der Börsenerholung im vergangenen Jahr profitiert. Dieser Schub dürfte mittelfristig schwächer werden. Danach wirken sich aber möglicherweise steigende Zinsen positiv auf die Anlageergebnisse der Versicherer aus.

Drittens gibt es den Zyklus im Schadengeschäft. Hier sind die Prämien in den letzten Jahren gestiegen. In einigen Bereichen geht es bereits aber wieder abwärts – auch wenn die Wirbelstürme im Sommer den positiven Trend ein wenig verländert haben. Merrill Lynch zweifelt trotzdem daran, dass vor allem der Rückversicherungsmarkt noch lange stabil bleibt. Trotzdem fällt auf, dass die Branche im Katastrophengeschäft letztlich komfortabler lebt, als man vermuten könnte: Immer wenn es große Schäden gibt, kann sie die Preise erhöhen oder zumindest stabil halten. Deswegen schlagen Katastrophen oft nur wenig oder zumindest nicht nachhaltig auf die Kurse durch.

Ein Blick auf die Kurse in den letzten beiden Jahren zeigt, dass die Allianz und Münchener Rück mit ihren jüngsten Kurssteigerungen – wenn überhaupt – gerade mal eine vorübergehende Schwäche gegenüber Deutschen Aktienindex aufgeholt haben. Überreizt ist die Branche also noch nicht.

Fazit: Die Risiken der Branche sind überschaubarer geworden, der langfristige Trend zur Vorsorge bleibt interessant, der kurzfristiger Mehrertrag gegenüber dem Dax dürfte sich in Grenzen halten.

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