Bulle & Bär
Volatilität

Was für ein Auf und Ab: 3,4 Prozent nach unten, 1,2 Prozent rauf, 1,6 Prozent runter, 0,5 Prozent Plus gefolgt von 0,35 Verlust, weiteren 3,3 Prozent nach oben - so lautet die Bilanz des Deutschen Aktienindex (Dax) in den vergangenen Tagen. Langweilig ist es an den Börsen zurzeit sicher nicht. Die Nerven der Anleger stellen die heftigen Kursschwankungen aber auf eine harte Probe: Ein Trend, wohin der Markt dreht, ist nicht auszumachen. Aktien, die heute topp waren, werden morgen schon wieder abgestoßen.

FRANKFURT. Wie verunsichert die Anleger sind, zeigt die anhaltend hohe Volatilität im Markt: Der "VDax new", der in Deutschland als Maß für die Schwankungsintensität der Börse dient, hält sich hartnäckig im Bereich von 30. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2007 lag der Volatilitätsindex nur einen einzigen Tag oberhalb der 30er-Marke, davor erreichte er dieses Niveau mehr als vier Jahre nicht.

Für die weitere Entwicklung an den Börsen macht die hohe Volatilität wenig Mut. Schließlich trägt der VDax new auch den Beinamen "Angstbarometer". Hohe Indexwerte signalisieren eine ausgeprägte Unsicherheit der Investoren. Und die dürfte auf absehbare Zeit nicht geringer werden.

Denn nach wie vor schlagen sich die Marktteilnehmer mit vielen Unbekannten herum. Allen voran fällt hierunter natürlich der Zustand der US-Wirtschaft. Dass die Vereinigten Staaten vor oder vielleicht schon in einer Rezession stehen, gilt für viele Experten als ausgemacht. Die Frage ist inzwischen eher, ob es sich um eine kurze, milde oder eine länger dauernde, tiefe Rezession handeln wird. Mit Sorge beobachten Experten vor allem das Verhalten der US-Verbraucher. Sollte der Konsum in den Staaten einbrechen, wäre die ohnehin brüchig gewordene These einer Abkopplung anderer Volkswirtschaften von der US-Konjunktur nicht mehr haltbar.

Unklar ist auch, wie sich die nachlassende Wirtschaftsdynamik auf die Gewinne der Unternehmen dies- und jenseits des Atlantiks auswirken werden. Noch halten viele Analysten an ihren Gewinnschätzungen für 2008 fest, die sich aber schnell als zu optimistisch erweisen könnten.

Schließlich geistert an den Märkten unverändert das Gespenst der "Subprime-Krise" herum. Wie stark die Banken, aber auch die Wirtschaft dadurch belastet werden, ist immer noch nicht absehbar. Die Prognosen für Wertverluste und Abschreibungen werden aber stetig angehoben.

Auch wenn die Aktienmärkte bereits deutlich korrigiert haben - eine schnelle Beruhigung des Börsengeschehens erscheint vor diesem Hintergrund unwahrscheinlich. Kurzfristig orientierte Tradern, die Risiken nicht scheuen, dürfte das freuen: Für sie bieten Schaukelbörsen ein Umfeld, um Geld zu verdienen. Für konservativer orientierte Anleger hingegen ist eine abwartende Haltung womöglich die bessere Alternative. Denn je stärker es an der Börse schaukelt, desto größer ist die Gefahr, seekrank zu werden.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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