Bulle & Bär
Volkswagen: Heiß gelaufen

Würde die Deutsche Börse so etwas wie die Super-Aktie küren, hätte Volkswagen derzeit gute Chancen auf den Titel. Vergangene Woche kletterte der Aktienkurs des Autobauers erstmals über die 200-Euro-Marke; am Mittwoch lag der Kurs bei 212 Euro - damit sind die Papiere mehr als sieben Mal so teuer wie noch vor vier Jahren.

FRANKFURT. Im jahr 2004 kostete eine Aktie um die 30 Euro und lockte keinen Anleger hinter dem Ofen hervor. Volkswagen und seine Affären um Puff- und Suffreisen wirkten eher abstoßend als anziehend. Die Geschäfte liefen bestenfalls durchschnittlich. Europas größter Autobauer lief Gefahr, im weltweiten Konkurrenzkampf der Autoindustrie abgehängt zu werden.

Das alles kümmert heute Niemanden mehr. Im ersten Halbjahr hat VW den US-Riesen Ford als drittgrößten Autobauer weltweit überholt. Vergangene Woche präsentierten die Wolfsburger starke Halbjahreszahlen: Vor Steuern hat VW in den ersten sechs Monaten 3,4 Milliarden Euro verdient, 22 Prozent mehr als in der ersten Hälfte des Rekordjahres 2007.

Der Einstieg von Großaktionär Porsche hat dem Konzern Stabilität verliehen und den Aktienkurs kräftig angeschoben. Doch die Börse honoriert nicht nur den Porsche-Faktor. Mit neuen Modellen hat VW den Markt überzeugt. Die Nachfrage nach dem Geländewagen Tiguan etwa ist riesengroß - so groß, dass Wolfsburg mit der Produktion nicht mehr nachkommt. In Kürze geht der neue Golf an den Start.

Im Vergleich zur Konkurrenz steht Volkswagen prächtig da. Während die Wolfsburger ihren Aktionären Rekordzahlen präsentierten, schockte Daimler mit einer Gewinnwarnung die Börse. Der Aktienkurs sackte daraufhin unter 40 Euro ab. Auf diesem Niveau dürfte Daimler leichte Beute für eine Übernahme sein. Und auch der Aktienkurs von BMW ist zuletzt unter die Räder geraten. Gut 30 Euro ist ein Anteilsschein derzeit wert; vor einem Jahr kostete er noch um die 50 Euro.

Die Volkswagen-Aktie dagegen steigt und steigt. Aber wie lange noch? Sollten sich die konjunkturellen Aussichten weiter verschlechtern, träfe das den Automarkt hart. Hinzu kommen die steigenden Preise für Rohstoffe. Volkswagen wird sich den großen Problemen der Branche nicht auf ewig entziehen können. Früher oder später wird das konjunkturelle Umfeld auch auf die Bilanz der Wolfsburger durchschlagen. Der Motor ist zuletzt heiß gelaufen.

Die Analysten jedenfalls sind skeptisch. Kaum einer empfiehlt, die VW-Aktie auf dem jetzigen Niveau zu kaufen. Die Mehrheit der Analysten sagt "verkaufen" oder bestenfalls "halten". Und das will bei diesen Berufsoptimisten etwas heißen.

Für Anleger könnte es deshalb durchaus sinnvoll sein, einen Teil der Gewinne aus den letzten Jahren einzustreichen. Sicher, Aktien sind eigentlich immer zu teuer, um sie zu kaufen und zu billig, um sie zu verkaufen. Vielleicht wäre es nicht der beste Zeitpunkt, den die Teilhaber erwischen würden. Ein schlechter aber wäre es in keinem Falle.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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