Bulle & Bär
Von AEG zu EADS

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Anleger: am 8. August 1982 musste der AEG-Telefunken-Konzern Vergleich anmelden. Es war eine der größten Konzernkrisen in der Geschichte der Bundesrepublik.

DÜSSELDORF.Das Unternehmen hatte sich mit Firmenkäufen überhoben und schlecht gewirtschaftet. Damals sackte die Aktie in den Keller, von zuletzt 45 auf 23 Mark. Doch ein Jahr später waren die Titel schon über 80 Mark wert. Da hatte sich das Unternehmen neu sortiert, Teile abgestoßen und neue Fabriken geplant, die besser in die Strategie passten. Viele deutsche Aktienanleger ärgerten sich, dass sie nicht zum Tiefpunkt eingestiegen waren. Sie hätten in einem Jahr 300 Prozent Gewinn gemacht.

Auch der „Elchtest“ dürfte noch vielen Investoren geläufig sein. Die neue A-Klasse von Daimler-Benz kippte im Oktober 1997 beim Slalom-Manöver eines schwedischen Motorjournalisten um. Er hatte auf einem Flughafen in Stockholm eine Situation simuliert, in der ein plötzlich auf der Fahrbahn auftretendes Tier umfahren werden sollte. Binnen zweier Tage sackte die Daimler-Benz- Aktie von 130 auf 108 Mark ab. Doch der Konzern besserte die A-Klasse nach, sie wurde ein Verkaufsschlager. Im folgenden August waren die Titel des Konzerns 200 Mark wert – eine Kurssteigerung um 85 Prozent.

Krisen sind eine ausgezeichnete Kaufgelegenheit. Denn meistens reagiert der Kurs des betroffenen Konzerns übertrieben. Wie jetzt EADS. Am 14. Juni wurde bekannt, dass der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern den neuen Riesen-Airbus A 380 nicht rechtzeitig ausliefern kann. Der Kurs trudelte am gleichen Tag um 26 Prozent nach unten, von 25,40 Euro auf 18,70 Euro. Innerhalb von zehn Tagen hat er sich schon wieder auf rund 22 Euro erholt.

Anleger sollten sich also beeilen. Denn die Krise, in die sich inzwischen Frankreichs Finanzminister eingeschaltet hat, ist möglicherweise nicht so dramatisch, wie sie klingt. Technisch ist der neue A 380 einwandfrei. Die Lieferschwierigkeiten beruhen offenbar darauf, dass EADS auf zu viele Kundenwünsche eingegangen ist. Bei der Fluggesellschaft Emirates soll die Beleuchtung einen Sternenhimmel an die Decke zaubern, andere wollen bei der Landung das Licht einer aufgehenden Sonne haben, die nächsten brauchen Internetanschlüsse. Dadurch kommen die Flugzeuge ein Jahr später an den Kunden, in den nächsten drei Jahren reduziert sich der Gewinn vor Steuern um drei Mrd. Euro.

Doch bisher hat keiner der großen Kunden Lufthansa, Emirates, Air France und Singapore Airlines die Bestellungen storniert. Gemeinsam mit Boeing hält EADS beim Bau von Linienflugzeugen ein weltweites Duopol. Der Konzern hat eine gesunde Bilanzstruktur und einen starken Cash-Flow. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt derzeit 9,5. Das ist immer noch sehr günstig. Analysten wie etwa Nils Machemehl von M.M. Warburg sehen die Aktie erst bei 28 Euro fair bewertet.

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