Bulle & Bär
Vorsicht mit Rezessions-Statistiken!

Alle Industrieländer stecken in einer tiefen Rezession. In Deutschland schrumpft die Wirtschaft in diesem Jahr so stark wie noch nie in der Nachkriegsgeschichte. Glaubt man den Statistiken, dann besteht dennoch eine gute Chance, dass die Börsen in diesem Jahr zulegen. Doch Vorsicht: Wie so häufig bei Statistiken steckt der Teufel im Detail.

DÜSSELDORF. In der Nachkriegsgeschichte ist der - zurückgerechnete - Dax prozentual immer zweistellig gestiegen, wenn gleichzeitig die Wirtschaft schrumpfte. Das errechnete die Commerzbank.

Der Grund liegt auf der Hand: Börsen nehmen die Zukunft vorweg, und Anleger konzentrieren sich inmitten der Rezession auf die unwiderruflich folgende Erholung. Heißt das mit Blick auf 2009, dass die Kurse im Dezember höher notieren als sie im Januar gestartet sind? Immerhin müsste der Dax gemessen mit dem gestrigen Niveau dann noch um mindestens zwölf Prozent zulegen.

Wie so häufig bei Statistiken steckt der Teufel im Detail: Erstens endet jede Serie einmal. Und welcher Zeitpunkt böte sich dafür besser an, als die Rezession, die wir derzeit erleben? Zweitens weiß heute niemand, ob wir nicht auch 2010 noch in der Rezession verharren. Dann müsste die Statistik so gedeutet werden, dass in diesem Jahr die Kurse durchaus noch weiter fallen und frühestens erst 2010 wieder zulegen.

Wie wenig die jetzige Rezession fortgeschritten ist, zeigt ein Blick auf die Firmengewinne: Sie brachen 2008 um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Das klingt beängstigend hoch, ist es aber gar nicht. Denn in allen vorangegangenen Rezessionen fielen die Firmengewinne durchschnittlich um 40 Prozent. Dabei gilt zu berücksichtigen, dass die wenigen vom Finanzgewerbe getriebenen Rezessionen, wie wir sie jetzt erleben, stets deutlich stärkere Gewinneinbrüche bei den Konzernen zur Folge hatten. Dass es auch diesmal so kommt, darauf deuten die überaus negativen Prognosen der Unternehmen und die inzwischen ebenfalls negativen Schätzungen der Analysten hin.

Kurzum: Solange die Firmengewinne weiter sinken, sollte niemand darauf wetten, dass die Aktienkurse am Silvestertag höher stehen als sie nach dem Neujahrstag gestartet sind.

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