Bulle & Bär
VW-Aktie: Es geht schon wieder los

Lange war es verdächtig still. Jetzt setzt die Volkswagen-Aktie ihre verrückte Rally fort. In den letzten beiden Tagen schoss sie um knapp 20 Prozent nach oben - von 218 bis auf 260 Euro. Hat etwa Porsche seine Finger wieder im Spiel?

FRANKFURT. Natürlich, wer sonst. Zumindest heizt der Sportwagenbauer erneut die Spekulationen an, die endgültige Übernahme des Konkurrenten aus Wolfsburg stehe kurz bevor.

Zur Machtübernahme bei Volkswagen hat sich Porsche nämlich gerade erst neue Kredite über zehn Milliarden Euro gesichert. Mit diesem Darlehen soll ein Kredit abgelöst werden, der Ende März ausläuft. Die Verhandlungen hatten sich zuletzt immer wieder verzögert, in letzter Minute gelang eine Einigung.

Die Verlängerung der auslaufenden Kredite ist aber noch nicht alles. Darüber hinaus soll sich Porsche weitere 2,5 Mrd. Euro gesichert haben. Nach Ansicht von Analysten fehlt noch genau diese Summe, um den Anteil an VW wie geplant auf 75 Prozent aufzustocken.

Offenbar rechnet die Börse damit, dass Porsche schon bald aktiv werden wird. Was werden sie mit dem Geld sonst tun, als VW-Aktien zu kaufen, sagen Händler in Frankfurt. Aber ob es wirklich so kommt - keiner weiß es. Schon einmal haben die Stuttgarter mit ähnlichen Spielchen den Markt genarrt.

Wir erinnern uns: Völlig überraschend teilte Porsche im letzten Herbst mit, dass man sich bereits einen großen Teil der VW-Stammaktien gesichert habe. Die endgültige Übernahme sei greifbar nahe, hieß es damals auch. Daraufhin stieg die VW-Aktie und machte die Rechnung derer zunichte, die auf einen fallenden Kurs gesetzt hatten. Sie mussten sich VW-Papiere um jeden Preis besorgen, um noch höhere Verluste zu vermeiden. Dieser sogenannte Short-Squeeze trieb den Kurs bis auf 1 000 Euro.

Es ist gut möglich, dass Porsche sogar ein Interesse an einem steigenden VW-Kurs hat. Man verfügt nach eigenen Angaben über 50 Prozent an VW, dazu Optionen zur Aufstockung auf 75 Prozent. Steigt der Kurs der VW-Aktien, erhöht sich auch der Gewinn beim Einlösen der Optionen. Porsche könnte Geld aus den Optionen kassieren, dann in Ruhe warten bis der Kurs wieder fällt und anschließend zu günstigen Konditionen nachkaufen.

Der Porsche-Clan verdient als Finanzinvestor mehr Geld als mit Autos. Das kann man ihm nicht einmal vorwerfen. Aber für die Börse ist das nicht gut. So geht das letzte bisschen an Vertrauen verloren.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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