Bulle & Bär
VW und die Folgen der Kapriolen

Im Herbst machte die VW-Aktie mit Kurskapriolen Schlagzeilen. Nun wurden sie Gegenstand einer wissenschaftlichen Untersuchung. Das Fazit von Professor Lutz Johanning: Die enormen Kursausschläge der Aktie haben dem Dax dauerhaft geschadet.

FRANKFURT. Dass die Kurskapriolen der VW-Aktien vom Herbst noch lange Spielraum für wissenschaftliche Untersuchungen bieten würden, war klar. Traf doch die Meldung von Großaktionär Porsche, direkt oder über Optionsgeschäfte ab da mehr als 70 Prozent der Aktien zu besitzen, die breite Masse der Investoren so unverhofft, dass der VW-Kurs innerhalb weniger Tage von Niveaus unter 200 Euro auf 945 Euro stieg und anschließend wieder rapide fiel.

Die Frage, ob der Dax heute noch darunter leidet oder nicht, beantwortet Professor Lutz Johanning von der WHU in Vallendar eindeutig mit ja. 80 Indexpunkte zu viel sind seiner Ansicht nach das Ergebnis einer Regeländerung der Deutschen Börse, die der Leitindex mit sich herumschleppt. Die Deutsche Börse sei zwar zu Recht eingeschritten, indem sie das Gewicht der VW-Aktie im Dax auf 10 Prozent gekappt und ihr damit knapp ein Drittel an Einfluss genommen hat. Weil die Aktie anschließend aber 40 Prozent gefallen ist, hat auch nur das heruntergestufte Gewicht den Dax nach unten bewegt. Das hat bis zur Anpassung aller Dax-Gewichte am 19. Dezember zu den 80 Punkten geführt, um die der Index weniger gefallen ist.

Vonseiten der Deutschen Börse glaubt man dennoch, das Richtige getan zu haben. Schließlich war der Druck zu handeln damals so extrem wie die Kursentwicklung. Viele Vorschläge, die von sofortiger Herausnahme aus dem Dax bis hin zur Aussetzung des Handels bei VW gingen, wären im Nachhinein betrachtet noch angreifbarer gewesen als dieser Schritt.

Bleiben die Aktienfonds, deren Manager sich an der Dax-Entwicklung orientieren und von denen manche je nach dem, ob sie damals VW-Aktien besaßen oder nicht, dem Leitindex mehr oder weniger hinterherhinken. Als pauschale Entschuldigung für eine möglicherweise schlechte Wertentwicklung eines Fonds dient dieses Argument allerdings nicht.

Wer im vergangenen Jahr schlecht abgeschnitten hat, der hat das nicht einer einzigen, wenn auch extremen Kursbewegung zu verdanken. Genauso wie eine Bundesliga-Saison nicht an einem einzigen, wenn auch extremen Spieltag entschieden wird.

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