Bulle & Bär
Wacklige Fahrt mit Piaggio

Was ist bloß mit der Piaggio-Aktie los ? Der Kurs des italienischen Vespa-Herstellers hat seit Jahresbeginn eine Talfahrt hinter sich, die steiler bergab ging als der Gesamtmarkt. Anfang des Monats näherte sich der Titel bedrohlich der Ein-Euro-Grenze und hat damit seit Januar die Hälfte des Werts verloren. Aber seit Mitte Juli geht es, wenn auch etwas holperig, wieder bergauf - zum Teil mit zweistelligen Zuwächsen an einem Tag.

MAILAND. Der Grund ? Die Anleger hoffen, dass Piaggio nach dem enttäuschenden ersten Quartal den schwachen europäischen Absatz durch seine Präsenz in anderen Märkten wieder wettmachen wird. Und vor allem hoffen sie auf einen Geisteswandel in den USA. Die Amerikaner scheinen ihre Benzin schluckenden SUVs in Zeiten hoher Ölpreise stehen zu lassen. Allein im Juni hat Piaggio dort 146 Prozent mehr Scooter und Motorräder abgesetzt als noch ein Jahr zuvor. Die Optimisten sehen das bereits als klare Trendwende und hoffen, dass die Amerikaner in Zukunft auf Sprit sparende Zweiräder setzen. In Sonnen-Staaten wie Kalifornien eine durchaus praktikable Alternative.

Sollte die Entwicklung in den USA mehr als eine Mode sein und die Amerikaner ihre Einstellung tatsächlich ändern, wäre das eine positive Nachricht für Piaggio und die Aktie. Dank ihrer starken Marken wie Vespa, Moto Guzzi und Aprilia können die Italiener gegenüber ihren Konkurrenten rund zehn bis 15 Prozent mehr von ihren Kunden verlangen. Die Vespa, auf deren Sattel in den 50er-Jahren Audrey Hepburn mit Gregory Peck in dem Film "Ein Herz und eine Krone" durch die Straßen Roms fuhr, steht in den USA heute noch für italienisches Design.

Die guten Nachrichten kommen nicht nur aus dem Westen, sondern auch aus dem Osten. Der Vorstandsvorsitzende Roberto Colaninno, hat schon vor der für Ende Juli angesetzten Veröffentlichung der Halbjahreszahlen durchblicken lassen, dass das Geschäft in Indien weiter wächst. Dort sind die Italiener nicht nur mit Zwei-, sondern auch mit leichten Vier- und Dreirädern unterwegs. Piaggio will 2010 ein Werk für Dieselmotoren eröffnen und mit einem Hybridmodell herauskommen. Auch in China und Vietnam sind die Italiener präsent.

Aber es gibt auch Gründe, die gegen die Aktie sprechen: Vor allem auf dem italienischen Heimatmarkt - der immer noch 40 Prozent des Umsatzes ausmacht - gibt es Probleme. Zum einen lässt die Kauflust in Zeiten der schwachen Konjunktur nach. Zum anderen drohen dem Unternehmen Streiks der Gewerkschaften.

Außerdem muss sich Piaggio weltweit gegen die Billigkonkurrenz aus Asien behaupten. Nicht überall werden die Italiener die Kunden davon überzeugen können, für das italienische Design einen deutlichen Aufpreis zu bezahlen. Aber nur wer an den langfristigen Erfolg des italienischen Klassikers, sollte in diesen schwierigen Zeiten zugreifen. Zweiräder waren schon immer eine instabile Angelegenheit.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%