Bulle & Bär
Wagniskapital für eine Uni

Im Vergleich zu anderen Ländern gibt es in Deutschland kaum private Hochschulen. In Japan haben gewinnorientierte Anbieter einen Anteil von 70 Prozent an der höheren Bildung, in Deutschland sind es weniger als drei Prozent. Angesichts überfüllter Hörsäle an den Massenuniversitäten liegt es daher nahe, Ausbildung im unterentwickelten deutschen Markt auch als Anlagemöglichkeit zu betrachten.

Die geplante Hanseatic University Rostock will in diesen Markt vorstoßen. Eine Finanzierungsgesellschaft, die Ventacom aus Bremen, sammelt für das Projekt zurzeit 16 Mill. Euro ein.

Die Beteiligten verschweigen nicht, dass es sich hier um Wagniskapital handelt: Die geplante Uni hat noch keine Studenten, keine Räume und vor allem keine Zulassung als Hochschule durch das Land Mecklenburg-Vorpommern. Und sie hat eine heikle Geschichte. Der Initiator des Projekts, Peter Pedersen, versucht schon seit dem Jahr 2004, Geld für die Rostocker Privatuni aufzutreiben. Erst sprang ihm ein russischer Investor ab, dann gelang es ihm nicht, die Lücke durch einheimische Kapitalgeber zu füllen. Jetzt sucht er Anleger, die bereit sind, mindestens 10 000 Euro in das Projekt zu stecken. Er prognostiziert 8,8 Prozent Rendite pro Jahr – wenn alles so läuft, wie geplant. Wenn nicht, ist das Geld weg, zumindest der Teil, der sich nicht wieder flüssig machen lässt.

Mit dem Geld will Pedersen vor allem renommierte Professoren anwerben und über kooperierende Privatschulen Studenten anlocken. Zudem sollen sich Unternehmen an den Ausbildungskosten beteiligen und im Gegenzug maßgeschneidert und praxisnah in Management oder Unternehmens-IT ausgebildete Arbeitnehmer geliefert bekommen. Das Studium – ob von den Eltern finanziert oder von einer Firma – soll 16 000 Euro im Jahr kosten. Aus den Einnahmen der wenigen hundert Studenten soll sich die Hochschule selbst tragen und den Anlegern eine Verdopplung des Kapitals über zehn Jahre erlauben.

Es liegt in der Natur von Wagniskapital, dass die Rückzahlung nicht völlig sicher ist – dafür gibt es ja auch mehr Zinsen als bei einem sichereren Investment. Und eine zielgerichtete Privatschule ist in Deutschland eindeutig eine Marktlücke. Wer das Geld also klar übrig hat, kann es genauso gut in eine Privatschule anlegen wie in jedes andere Risikoinvestment.

Angesichts des illustren Anspruchs und der langen Vorlaufzeit der Hochschulgründung ist es jedoch ein schlechtes Zeichen, dass der Gang an den Kapitalmarkt auch noch durch handwerkliche Schnitzer belastet ist. Die Zeichnungsfrist läuft seit Juli, ist aber zurzeit ausgesetzt: Eine professionelle Prüfung des Prospekts ergab Ungenauigkeiten, die erst in einem Neudruck ausgemerzt werden sollen. Und die aktuelle Version einer Pflichtinformation für Verbraucher verspricht 97 Prozent Ausschüttungen pro Jahr für die Investoren – leider ist jedoch die komplette Laufzeit gemeint.

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