Bulle & Bär
Warum Börsenneulinge wieder begehrt sind

Schnäppchen waren früher. Wer sich im Moment für Aktien von Börsenneulingen (IPO) interessiert, der muss sich über eines im Klaren sein: Er muss dafür einen anständigen Preis bezahlen. Manchmal sogar einen unanständigen.

FRANKFURT. Denn für die Börsenkandidaten und die sie beratenden Banken herrschen derzeit beinahe paradiesische Zustände. Was an die Börse kommt, findet in der Regel genügend Interesse bei den Investoren. Und weil die Börsenstimmung so gut wie seit Jahren nicht mehr ist und die Liquidität am Markt nach wie vor groß ist, lassen sich beste Preise erzielen.

Paradebeispiel hierfür ist der bayerische Baumaschinen-Hersteller Wacker Construction, der in der schlechten Börsenphase vor einem Jahr mit seinen Börsenplänen einen Rückzieher machte und beim zweiten Versuch Anfang Mai doppelt so viel erlöste wie ursprünglich geplant. Trotzdem gilt die Aktie bei Investoren als die beste Emission des Jahres. Rund 17 Prozent hat sie seit der Erstnotiz zugelegt.

Eine solche Kursentwicklung zeigt kein anderer Neuling. Ganz im Gegenteil: Die Mehrzahl von ihnen notiert knapp bei oder unter ihrem Ausgabepreis. Manche Ausreißer, wie die Aktie der Telekom-Gesellschaft Versatel ist inzwischen gar ein Viertel weniger wert als zur Zeichnungsphase.

Trotzdem hält sich der Aufschrei bei Investoren in Grenzen. Dass der IPO-Markt 2007 ein Verkäufermarkt ist und sich schnelle Zeichnungsgewinne in solchen Zeiten kaum realisieren lassen, ist ihnen klar. Das wissen auch die Kleinanleger, die bei Neuemissionen oft einen kurzfristigen Ansatz verfolgen und deswegen zur Zeit die Finger von ihnen lassen. Entscheidender ist die Qualität der Unternehmen, die derzeit ihr Börsendebüt wagen. Daran mangelt es im Moment nicht.

Wer derzeit wie die vielen Fonds aus Großbritannien und den USA in die Aktien von Börsenneulingen investiert, der hat zwei Ansätze: Erstens hat er ein langfristiges Interesse am Unternehmen, weil er zwar weiß, dass er teuer einkauft, anhand der Substanz des Börsenkandidaten und dessen Zukunftschancen auf Dauer aber mit einem deutlichen Kursplus rechnet. Zweitens - und das ist für den Gesamtmarkt die wichtigere Nachricht - gehen diese Investoren auch davon aus, dass es an der Börse weiter nach oben geht. Denn stünde ihrer Ansicht nach eine nachhaltige Konsolidierung bevor, dann würden zuerst die Kurse der teuer gekauften Aktien ins Rutschen kommen.

Natürlich lässt sich dieser vor allem für Börsenkandidaten und Banken vorteilhafte Zustand nicht auf ewig halten. Beim ersten Anzeichen von Überhitzung werden die Investoren nicht mehr mitziehen. Bei Platzierungen von Immobilienwerten gab es dafür beispielsweise erste Anzeichen. Die breite Masse der Kandidaten bleibt davon allerdings noch verschont. Gelingt mit Tognum der größte Börsengang seit November 2000 - und dafür gibt es viele Anzeichen -, wird sich dieser Trend jedoch noch eine Weile fortsetzen.

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