Bulle & Bär
Warum die spanische Kurs-Rally weitergeht

Anfang des Jahres haben die Analysten noch bescheidene Prognosen für Spaniens Referenzindex Ibex 35 abgegeben. Es würde ein relativ gutes Jahr werden. Die 13 000-Punkte-Hürde werde überwunden, sagten sie voraus. Weit gefehlt!

HB MADRID. Seit Anfang des Jahres hat der Ibex 35 knapp 33 Prozent gewonnen und notiert inzwischen bei 14 200 Punkten, vor einigen Wochen überwand er sogar die 15 000 Punkte. Denn auch wenn der Aktienindex inzwischen wieder durch die vielen Gewinnmitnahmen verloren hat, 2006 ist ein Rekordjahr für die spanische Börse und ein Freudenfest für die Anleger. Das wird noch einige Zeit so bleiben. Denn aus dem sich abkühlenden Immobilienmarkt, der über viele Jahre zweistellige Renditen brachte, ziehen Privatanleger und auch institutionelle Investoren das Geld langsam zurück und schichten es um in Finanzmarktprodukte.

Für das Jahresende ist deswegen eine weitere Kurs-Rally in Sicht. Belebt wird das spanische Parkett derzeit durch die Expansionsaktivitäten der heimischen Unternehmen und ihre nach zehn Jahren überdurchschnittlichen Wachstums vollen Kassen. Insgesamt fuhren die 35 Firmen des Ibex in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Nettogewinn von knapp 30 Mrd. Euro ein, das sind 33 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Vor allem der Bau-, der Banken- und der Energiesektor gehören zu den großen Gewinnern in diesem Jahr. Die Börse profitiert vor allem davon, dass spanische Unternehmen als Kaufobjekte immer interessanter für ausländische Wettbewerber werden. Die Marktwerte der Ibex-Werte schießen dementsprechend in diesem Jahr in die Höhe. Die größte spanische Bank Santander ist inzwischen in die Top 50 der internationalen Börsenwerte aufgestiegen, wo kein einziges deutsches Unternehmen präsent ist und der umsatzstärkste Konzern des Landes, Telefónica, hat durch die gute Kursentwicklung seinen Abstand zu europäischen Wettbewerbern deutlich vergrößert. Parallel dazu stellen sich in der Bau- und Immobilienbranche Konzerne wie Ferrovial, Sacyr Vallehermoso, Abertis, ACS und Metrovacesa an die Spitze ihrer Branche.

Fusionsgerüchte unter den spanischen Versorgern treiben die Kurse zusätzlich in die Höhe. Hinzukommt, dass die spanischen Energiekonzerne immer mehr über die Grenze schauen. So will Iberdrola den britischen Versorger Scottish Power übernehmen. Auch der Übernahmekampf um den größten spanischen Energiekonzern Endesa wird in den kommenden Monaten weiter die Börse aktivieren.

Aber auch die Banken sorgen weiter für Kursexplosionen. Die BBVA hat gestern angekündigt, dass sie als erste ihres Landes in den chinesischen Markt eintreten will. Das lässt den Ibex 35 in dieser Woche wieder gegen die 14 300er-Marke streben. Nach oben ist alles offen. Die Spanier sind für jede Überraschung gut, wie dieses Jahr gezeigt hat.

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