Bulle & Bär
Warum Tauschangebote für Anleihen ein Warnsignal sind

Trotz niedriger Renditen ist der Boom an neuen Firmenanleihen ausgeblieben. Stattdessen kommen immer mehr Unternehmen auf die Idee, eigene Anleihen vorzeitig zurückzukaufen oder gegen neue, länger laufende Papiere zu tauschen. Anlegern sollte das eine Warnung sein.
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FRANKFURT. Unternehmen haben keine Probleme, Anleger für neue Anleihen zu gewinnen. Die extrem niedrigen Renditen deutscher Bundesanleihen lassen Investoren gierig nach allem greifen, was ein bisschen mehr Ertrag abwirft. Deshalb gibt es bei allen neuen Firmenbonds mehr Nachfrage als Angebot.

Die große Nachfrage drückt auch die sich gegenläufig zu den Kursen entwickelnden Renditen der Unternehmensanleihen nach unten. Deshalb werfen Zinspapiere von Firmen, denen die Ratingagenturen eine solide Bonität im sogenannten Investment-Grade attestieren, im Schnitt nur 2,9 Prozent Rendite ab. Attraktiv sind daran nur die Aufschläge von 1,3 Prozentpunkten im Vergleich zu Bundesanleihen.

Die niedrigen Renditen machen für Unternehmen die Finanzierung über neue Bonds extrem günstig und sollten eigentlich zu einem Boom an neuen Anleihen führen. Den gibt es aber nicht. In diesem Jahr kamen nach Berechnungen der Société Générale neue auf Euro lautende Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Ratings über 84 Mrd. Euro auf den Markt. In den ersten drei Quartalen des Emissions-Rekordjahres 2009 waren es fast 230 Mrd. Euro. Genau das ist ein Grund dafür, dass die Unternehmen jetzt nicht mehr so viel frisches Geld brauchen: Viele haben sich bereits vorfinanziert. Außerdem reduzieren viele Konzerne ihre Investitionen und sind auch deshalb nicht mehr auf so viel Fremdkapital angewiesen.

Firmen sichern sich niedrige Zinskosten

Um die niedrigen Zinsen trotzdem auszunutzen, kommen immer mehr Unternehmen auf die Idee, eigene Anleihen vorzeitig zurückzukaufen. Zuletzt gab es solche Angebote vom Industriegasehersteller Air Liquide, dem spanischen Versorger Iberdrola und dem niederländischen Telekomkonzern KPN.

Die Firmen bieten beim Rückkauf leichte Kursaufschläge gegenüber den ausstehenden Papieren im Handel. Gleichzeitig bieten sie den Investoren neue, länger laufende Papiere an. Damit sichern sich die Unternehmen die niedrigen Zinskosten und verlängern gleichzeitig die Fälligkeit ihrer Schulden.

Bei institutionellen Investoren sind die Angebote bislang gut angekommen. Die kleinen Kursaufschläge und die mangelnden Alternativen lassen sie bei den Tauschangeboten zugreifen. Trotzdem sind die Aktionen der Unternehmen ein Warnzeichen für Anleger. Denn die Tauschangebote sagen vor allem eines: Die Unternehmen rechnen damit, dass die Platzierung neuer Bonds für sie in Zukunft teurer wird. Das heißt für Anleger: Wer sich zurückhält und erst in ein oder zwei Jahren wieder neue Anleihen kauft, dürfte dann deutlich höhere Renditen bekommen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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  • Man dazu auch folgende Überlegung anstellen. Die Firmen deren Führung etwas weitsichtiger ist scheint zu erkennen das sich bei unserem Geld (bedruktes Klopapier) in der nächsten Zeit etwas tun muß. Man kauft also erst mal alte Anleihen zurück, legt neue Anleihen mit noch geringerem Zins auf und der Effekt ist eine Entlastung der Zinszahlungen. Weiter kann man damit rechnen das die schönen bunten bedruckten Klopapierscheine (ehemals Geld) durch inflationierung der Staatsschulden sehr an Wert verlieren werden. Effekt eine Reduzierung der Verschuldung dieser Unternehmen. Also ist diese Handlungsweise der Firmenlenker in diesem Fall für die Unternehmen sehr Klug und weitsichtig. Nur der dumme Anleger wird sich irgendwann die Augen reiben und eben für seine Dummheit bezahlen müssen.

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