Bulle & Bär
Warum Telefónica nach China blickt

Der Aktienkurs des größten spanischen Telekommunikationsunternehmen Telefónica ist in den vergangenen Wochen nicht aus purer Spekulation nach oben geschnellt. Das Papier weist reale Wachstumschancen auf, die sich bisher im Kurs noch nicht widergespiegelt haben.

MADRID. Spaniens umsatzstärkstes Unternehmen setzt sich mit 191 Millionen Kunden von der Branche ab – vor allem wegen seiner Präsenz in Wachstumsregionen wie Lateinamerika, Osteuropa und Asien. Lange Zeit hat die Börse das kaum honoriert.

Erst jetzt, im allgemeinen Börsenfieber, verleiht das Potenzial der Aktie Flügel: Der Kurs stieg in den vergangenen sechs Wochen um zwei Euro auf 15 Euro. Damit ist Telefónica mit einem Börsenwert von rund 75 Mrd. Euro der größte Telekomkonzern Europas; die Deutsche Telekom ist gerade mal 60 Mrd. Euro wert. Wen wundert es? In diesem Jahr werden die Einnahmen von Telefónica nach Meinung verschiedener Analysten um mehr als 40 Prozent wachsen.

Telefónica hat mit dem britischen Mobilfunkdienstleister 02 nicht nur in Mittel- und Zentraleuropa Erfolg – von dort stammen bereits 23 Prozent der Gesamteinnahmen des Konzerns – , sondern will jetzt auch in China wachsen. Den Spaniern gehören bereits fünf Prozent am Handy-Dienstleister China Netcom. Am Telekomkonzern PCCW hat Telefónica acht Prozent der Anteile für 323 Millionen Euro erworben.

Die Analysten sind mit dieser Internationalisierungs-Strategie zufrieden: Während Deutsche Telekom und France Telecom auf das Jahr gesehen verlieren, hat die Telefónica-Aktie um rund 20 Prozent zugelegt und gehört inzwischen zu einem der liquidesten Werte in Europa. Seit fünf Jahren hat das von César Alierta geführte Unternehmen nicht mehr so einen Höhenflug an der Börse erlebt. Bisher litt die Aktie vor allem darunter, dass bei jedem Übernahmegerücht die Spanier als Käufer ins Spiel gebracht wurden; weil sie im Vergleich zu anderen Wettbewerbern mit 55 Mrd. Euro Schulden als "reich" gelten.

Analysten und Investoren wollen jedoch nicht, dass sich dieser Schuldenstand weiter vergrößert und Telefónica die Fehler einiger Konkurrenten wiederholt. Bei jedem Kaufgerücht in der Branche ging deswegen der Telefónica-Kurs erst einmal nach unten. Der ehemalige Broker Alierta hat vor zwei Wochen Schluss damit gemacht: „Wir werden keine Unternehmen mehr kaufen, sondern unser Geschäft organisch ausbauen“, versprach er auf einer Analystenkonferenz vor einer Woche.

Zudem kündigt der 62-Jährige an, bis 2009 die Dividende zu verdoppeln. Die Börse atmet auf, der Kurs geht seit Wochen nach oben. Mit seinen zwei China-Optionen in der Hand wartet Alierta auf einen Moment, auf dem größten Wachstumsmarkt der Welt zuzuschlagen und vielen Wettbewerbern, die sich noch nicht nach China getraut haben, etwas voraus zu haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%