Bulle und Bär
Was Ackermann fehlt

Mehr als 40 Prozent Eigenkapitalrendite kann man von einem Bankchef kaum erwarten – auch wenn die Deutsche Bank, anders als der Rest der Welt, vor Steuern statt netto rechnet. Und das hat Konzernchef Josef Ackermann geliefert. Die Sanierung der Deutschen Bank ist ihm gelungen. Sein Institut ist das einzige mit Sitz in Deutschland, das weltweit in einer gehobenen Liga mitspielt. Und nun?

HB DÜSSELDORF. Auffällig ist, dass die Börsenkapitalisierung der Deutschen Bank trotz aller Erfolge mit gut 60 Milliarden Euro immer noch relativ bescheiden ist. Nicht nur die Citigroup, die umgerechnet mehr als 190 Milliarden auf die Waage bringt – zu wenig, nach Meinung vieler ihrer Aktionäre. Auch in Europa gibt es imposante Beispiele: UBS kommt auf fast 100 Milliarden, BNP Paribas erreicht nahezu 90 Milliarden, die beiden Italiener Unicredit und Intesa sind nicht weit von 80 Milliarden entfernt. Oder, anders gerechnet: Die eher wenig bekannte Nordea aus Skandinavien ist immerhin halb so viel wert wie die Deutsche Bank. Ein Blick auf die Kennzahlen verrät schnell den Grund: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut zehn ist die Deutsche Bank bescheiden bewertet. Citigroup und UBS liegen bei etwa zwölf, die Italiener um 13 herum. Der Sprung von zehn auf zwölf sieht so groß nicht aus – würde aber rund 20 Prozent Kursgewinn bedeuten.

Interessant ist auch der Vergleich mit Goldman Sachs, Morgan Stanley und Lehman Brothers: Diese drei US-Investmentbanken sind etwa ähnlich niedrig bewertet wie die Deutsche Bank. Sie liegen damit auch niedriger als andere US-Banken. Erstaunlich ist das nicht. Investmentbanken sind stark von den Kapitalmärkten abhängig. Wenn es dort gut läuft, können sie im Handel Rekordgewinne einfahren. In schlechten Jahren dagegen kann es sein, dass hoch bezahlte Banker herumsitzen und nichts zu tun haben. Diese starken Schwankungen haben ihren Preis: in Boomzeiten eine relativ niedrige Bewertung.

Bei aller Vorsicht, die solche Vergleiche gebieten, scheinen die Märkte die Deutsche Bank nach wie vor eher wie eine Investmentbank denn eine Geschäftsbank zu bewerten. Das passt auch – schließlich ist das Investment-Banking der große Gewinnbringer. Um in eine höhere Bewertungsklasse aufzusteigen, müsste sie in anderen Bereichen zulegen.

Ackermann hatte mal den Plan, einen ausgeglicheneren Ertragsmix zu erreichen. Er ließ ihn fallen. Um die Bewertung zu verbessern, müsste er Geschäft zukaufen. Ob er im Inland glücklich würde? Der deutsche Mark bleibt schwierig. Sinnvoller wäre der Kauf im Ausland. Viele Schnäppchen sind aber nicht mehr zu haben. Außer vielleicht in den USA: weil der Dollar zurzeit billig ist.

Ackermann hat in letzter Zeit wenig Lust auf Übernahmen erkennen lassen. Deswegen bleibt die Aktie der Deutschen Bank wohl noch eine Weile unter ihrem Potenzial. Vielleicht geht es ihr bald so wie der VW-Aktie, die lange vor sich hindümpelte, bis der Konzern von außen aufgeschreckt wurde.

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