Bulle & Bär
Was Minianleihen bringen

Bäcker versuchen es, Metzger ebenfalls, und sogar ein Fußballverein: zunehmend vergeben Mittelständler Anleihen an ihre Kunden. Doch für die Anleger sind die Angebote selten attraktiv und bergen zudem Risiken.
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Jetzt auch noch ein Wurstladen. Neben dem Fußballverein St. Pauli und der Wiener Feinbäckerei Heberer versucht neuerdings der Nürnberger Metzger Jörg Weckerlein sich Geld an der Bank vorbei zu beschaffen. Nämlich indem er die treusten Anhänger seiner Fleischerzeugnisse anpumpt. So sympathisch und vertrauenerweckend der Lieblingsfußballverein oder der Laden an der Ecke auch sein mag, als Geldanlage sind diese Anleihen nicht geeignet.

Die „Fan-Anleihe“ von St. Pauli bietet sechs Prozent Zinsen im Jahr. Bäcker Heberer zahlt sieben Prozent und bei Metzger Weckerlein sind es wahlweise sieben Prozent für eine Investition von 100 Euro oder zehn Prozent für alle, die 1000 Euro anlegen. Allerdings wird der Zins in Naturalien ausgezahlt. Immerhin darf sich jeder den Wurstzins selbst aussuchen: Es gibt Einkaufsgutscheine.

Weckerlein selbst nennt die Anlage „Wurst-Aktie“. Tatsächlich hat sie mit der festen Ausschüttung und einer Laufzeit von drei Jahren eher den Charakter einer Anleihe, genauer eines Genussscheins. Der Vorteil für den Metzger: Für diesen muss noch nicht mal ein Prospekt erstellt werden. Der Nachteil für den Anleger: Er weiß überhaupt nicht, wie der Laden läuft und welche Risiken für die Rückzahlung bestehen.

St. Pauli hat einen Prospekt und warnt dort explizit, dass die Rückzahlung der Anleihe in Gefahr ist, wenn der Verein, der momentan in der Zweiten Bundesliga spielt, während der siebenjährigen Laufzeit der Anleihe nicht aufsteigt. Beim Bäcker Heberer werden 2013 Bankkredite fällig. Gibt es keine Anschlussfinanzierung, droht dem Unternehmen die Pleite.

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