Bulle & Bär
Was war das für eine gute Zeit

FRANKFURT. Im Einkauf liegt mein Gewinn“, ist ein beliebter Kaufmannsspruch quer durch alle Branchen. Besonders oft ist er derzeit bei Fondsmanagern zu hören, die sich Aktien von Börsenneulingen angucken. Die aktuelle Phase, in der viele Unternehmen an die Börse drängen und deswegen die Ausgabepreise der Aktien unter Druck geraten, kommt ihnen dabei zupass. Darauf lässt sich aufbauen, hört man in letzter Zeit des Öfteren, meist mit einem süffisanten Lächeln.

Denn die Erfahrungen mit ähnlichen Situationen in der Vergangenheit zeigen, dass gerade jetzt die Zeit für Schnäppchen ist. Die aktuelle Situation für Börsenneulinge gleicht zumindest in Teilen der aus dem Juni dieses Jahres. Auch damals strebten eine Reihe hoch interessanter Firmen an die Börse, stießen dabei jedoch auf enorme Zurückhaltung bei den Investoren. Einziger Unterschied: Damals war das insgesamt schlechte Börsenklima dafür verantwortlich, heute ist es das Überangebot an neuen Aktien.

Wer jedoch im Juni grundsolide Unternehmen wie Klöckner & Co, Bauer oder Demag Cranes gekauft hat, erfreut sich kaum vier Monate später einer tollen Kursentwicklung. Klöckner hat seither zum Ausgabepreis mehr als 38 Prozent zugelegt, Bauer rund 30 Prozent und Demag immerhin noch 24 Prozent. Die Zweifel, die viele Investoren unmittelbar nach dem Börsengang beschlichen hatten, weil die Kurse kurzzeitig sogar unter den Ausgabepreis gefallen waren, sind längst verflogen.

Gut möglich, dass sich im kommenden Februar so mancher Anleger, der heute Gagfah, Verbio oder schon bald LHS oder Delticom zeichnet, ähnlich die Hände reibt. Denn die Vorzeichen dafür, dass diese und die vielen weiteren Kandidaten in Zukunft überzeugen, sind zweifelsfrei gut. Bis auf einige wenige Start-ups verfügen die Neulinge über ein solides, etabliertes Geschäftsmodell, schreiben schwarze Zahlen und haben ein erfahrenes Management.

Dafür, dass dies auch in Zukunft so weitergehen wird, gibt es natürlich keine Garantie, die Aussichten sind jedoch gut. Das liegt im Allgemeinen daran, dass das Gros der Strategen den deutschen Aktienmarkt im weltweiten Vergleich ganz weit oben sieht. Im Speziellen ist es gerade die Art, wie die nun anstehenden Börsenkandidaten innerhalb ihrer Branche spezialisiert sind. Nahezu jeder von ihnen bietet dabei ein Alleinstellungsmerkmal.

Für Investoren ist im Moment jedoch entscheidend, dass sie wie im Juni bei Börsengängen das Sagen haben. Schon die ersten Emissionen, die es seit Ende der Sommerpause gegeben hat, zeigten eindeutig, dass der IPO-Markt derzeit ein Käufermarkt ist. Dies wird zumindest in diesem Jahr auch so bleiben. In einem solchen Umfeld lässt sich prima nach günstigen Gelegenheiten suchen. Gut möglich, dass so mancher Investor rückblickend auf 2006 sagen wird: „Was war das für eine gute Zeit.“

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