Bulle und Bär
Wen die Salzgitter-Aktie im Dax ersetzen könnte

Die Entscheidung der Deutschen Börse, dass die Aktie des Darmstädter Pharma-Unternehmens Merck ab dem 18. Juni Altana im Deutschen Aktienindex (Dax) ersetzen wird, hat wohl niemanden so recht überrascht. Zu sehr hatten es die Spatzen vorher von den Dächern gepfiffen.

FRANKFURT. Zu einfach war es für Analysten nachzurechnen, dass es für Merck diesmal reichen wird – zumal kein Konkurrent in Sicht war, der in Frage gekommen wäre. Noch nicht.

Denn wer weiß, wie es gekommen wäre, hätte die jetzige Dax-Entscheidung, die nach der beschlossenen Aufspaltung von Altana nötig geworden war, erst in ein paar Monaten angestanden. Aus dem Hintergrund nähert sich nämlich mit Riesenschritten der Stahlkonzern Salzgitter den deutschen Top-30. Um gut 50 Prozent hat dessen Aktienkurs seit März zugelegt, sagenhafte 600 Prozent waren es in den letzten zwei Jahren. Das hat den Börsenwert der frei handelbaren Aktien – um sie geht es vor allem bei der Dax-Aufnahme – auf mittlerweile über 5,5 Milliarden Euro in die Höhe getrieben. Merck hatte mit 6,3 Milliarden Euro hier zwar noch ein Polster; in den letzten Wochen schrumpfte dies jedoch zusehends. Immerhin hat Salzgitter damit bereits die beiden Dax-Werte Tui und Postbank übertroffen, die es auf 4,8 Milliarden beziehungsweise knapp 5,5 Milliarden Euro bringen – und den Staatsfinanzierer Depfa, der 4,7 Milliarden Euro wert ist, als nächsten potenziellen Aufrücker gehörig auf Abstand gehalten.

Bei diesen Zahlenspielereien stellt sich jedoch die Frage, wen Salzgitter in der Auswahl der deutschen Top-30 ersetzen könnte. Tui und die Postbank hat der Stahlkonzern zwar schon an Marktwert übertroffen, weil deren Börsenumsätze jedoch noch immer sehr hoch sind, ist ein Austausch unwahrscheinlich.

Wahrscheinlicher ist im Moment, dass es in der aktuellen weltweiten Übernahmewelle auch einen Dax-Wert treffen könnte. Derzeit gibt es zwar keinerlei Hinweise; Gerüchte hierzu finden sich jedoch immer wieder. Paradebeispiel ist die Commerzbank, über die seit Jahren in unregelmäßigen Abständen Übernahmegerüchte kursieren.

Die andere Variante hieße: Salzgitter müsste sein rasantes Wachstum fortsetzen, dann wäre der Dax-Aufstieg irgendwann die logische Konsequenz. Bis auf Platz 25 müsste es der Stahlkonzern bei Marktkapitalisierung und Börsenumsätzen schaffen, dann müsste ihn die Deutsche Börse zwangsläufig in den Dax aufnehmen. Aktuell steht Salzgitter hier auf den Plätzen 30 und 33. Wer sich hier wie Salzgitter so rasant in den letzten Monaten nach vorne gearbeitet hat, dem ist auch das zuzutrauen.

Kurstreiber ist noch immer der gnadenlose weltweite Hunger nach Stahl. Dass dieser weniger wird, ist unwahrscheinlich. Dass es wegen des Ausbaus der Kapazitäten zu Überproduktionen kommt, ist zumindest kurz- bis mittelfristig nicht zu erwarten. Eher schon, dass es neben Thyssen-Krupp bald einen zweiten Stahlwert im Dax gibt.

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