Bulle & Bär
Wenig Verständnis für Sparer

Die große Koalition scheint Verständnis zu entwickeln für die Menschen im Land, die künftig selbst für ihr Alter sorgen müssen.

FRANKFURT. Bei der ab 2009 geplanten Abgeltungsteuer werden laut Barbara Hendricks, Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, die Belange von Sparern mit langfristigen Verträgen für die private Altersvorsorge „im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens noch erörtert“. - Na, immerhin!

Die Regierungskoalition will ihren Gesetzentwurf am 14. März zwar zunächst wie geplant verabschieden, bei der anschließenden Debatte im Bundestag aber nachjustieren. Spätestens dann ist es an der Zeit, die Folgen für das allseits angemahnte private Alterssparen zu diskutieren. Die Bundesregierung will mit der Reform der Unternehmensbesteuerung eine einheitliche Abgeltungsteuer von 25 Prozent auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne einführen. Für Private kämen dabei inklusive Solidarzuschlag und Kirchensteuer rund 28 Prozent dabei heraus. Gegenüber der bisherigen Besteuerung belastete dies vor allem Aktien- und Aktienfondsbesitzer stärker. Bislang zahlen sie auf ausgeschüttete Dividenden zur Hälfte ihren persönlichen Einkommensteuersatz (bis 42 Prozent), realisierte Kursgewinne sind derzeit nach Ablauf von einem Jahr steuerfrei.

Man könnte die Pläne als steuerliche Gleichstellung verschiedener Sparformen verstehen, was zunächst gerecht klingt. Doch gilt zum Vermögensaufbau das Sparen in Aktien, -fonds oder -zertifikaten wegen der langfristig höheren Renditen als unabdingbar. Der Staat fördert dies sogar über die Riester-Rente. Daher ist es unsinnig, ausgerechnet das private Sparen in Aktien zu konterkarieren.

Wenn die Regierungspolitiker Verständnis für den Sparer haben, sollte sie die neue Steuer so gestalten, dass die ohnehin an Geldthemen wenig interessierten Bürger nicht vom Notwendigen abgeschreckt werden. Die allmähliche Akzeptanz der Riester-Rente zeigt, dass es möglich ist, Menschen für das private Alterssparen zu gewinnen.

Wenn die staatlichen Rentenniveaus in den nächsten Jahrzehnten aber auf rund 50 Prozent der Arbeitseinkommen abschmelzen, dürfte es nicht ausreichen, lediglich die Riester-geförderten 2 100 Euro im Jahr fürs Alter zurückzulegen. Die meisten Menschen im Land werden im Alter nicht von großen Vermögen zehren können, müssen also darüber hinaus sparen. Ob eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent ohne nennenswerte Freibeträge oder Abstufungen dazu motivieren kann, darf bezweifelt werden. Anlegerschützer fordern vehement einen niedrigeren Steuersatz von 20 Prozent.

Einsichten könnten die Bundespolitiker gewinnen beim Blick in Länder, in denen das private Sparen fürs Alter traditionell eine höhere Bedeutung hat. In Großbritannien gibt es einen Freibetrag von 13 000 Euro auf die Kapitalgewinnsteuer. Außerdem sinkt hier die Bemessungsgrundlage mit den Sparjahren.

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