Bulle & Bär
Wer cremt, der bleibt

Sie kennen die Szene: Sie sitzen in der Straßenbahn oder in einem Café. Neben Ihnen nimmt eine Person Platz und – beinahe einem Automatismus folgend – wird sofort ein Tube Handcreme aus der Tasche gezogen, um so dem „Spröde-Hände-Syndrom“, unter dem anscheinend Hunderttausende in Deutschland leiden, entgegenzuwirken.

FRANKFURT. Immer mehr setzt sich zuletzt sogar durch, dass ganze Gruppen gemeinsam cremen. Das Eincremen der Hände als verbindendes gruppendynamisches Element sozusagen. Warum dies für die Finanzmärkte wichtig ist? Weil die Hersteller von Handcremes – ob Beiersdorf, Unilever, Nestlé oder Procter & Gamble – bestens am Verkauf von Tuben und Töpfen verdienen. „Basiskosmetika“ ist ein Schlagwort, das Börsianer seit kurzem als Trend für die Zeit ausgerufen haben, in der es mit der allgemeinen Aktienkursentwicklung nicht mehr so rosig aussehen dürfte wie zuletzt. Beispielsweise im nächsten Jahr also.

Allzu spekulative Werte sollen es da nicht mehr sein, eher etwas mit defensiven Qualitäten, einer guten Dividendenrendite und einer hohen Verlässlichkeit. Die Hersteller von Cremes und Shampoos, Zahnpasta und Nagellack entsprechen diesem Anforderungsprofil in vollem Umfang. Denn auch wenn die Konsumneigung im kommenden Jahr etwas rückläufig sein dürfte, wenn die Mehrwertsteuer steigt und die Einkommen stagnieren – weniger gewaschen, geduscht oder gepflegt wird kaum. Luxusmarken, teure Parfüms oder Pflegeserien werden diesen Trend schon eher spüren. Basiskosmetika hingegen könnten davon sogar profitieren. Wenn das Geld bei den Konsumenten nicht mehr so locker sitzt, werden nicht weniger, sondern eben eher die billigeren Produkte gekauft.

Hinzu kommt die zunehmende Expansion in die Schwellenländer, wo mit steigenden Einkommen und höherem Lebensstandard auch der Bereich Körperpflege eine deutlich größere Rolle gewonnen hat. Das Potenzial, das sich langfristig daraus ergeben könnte, ist heute noch gar nicht absehbar. Insofern spielt es für die großen Namen der Branche nur eine untergeordnete Rolle, wenn die Konsumneigung in Deutschland und Europa im kommenden Jahr nicht mehr ganz so hoch sein wird wie in diesem.

Ein Wermutstropfen findet sich in all der Euphorie zu den Basiskosmetika dann aber doch: Deren Aktien sind nicht mehr ganz billig. Bei über 25 liegt beispielsweise das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das laufende Jahr, 23 sind es bei Procter & Gamble. Wohlwollend ausgedrückt sind die Aktien damit zumindest noch nicht überteuert.

Das wären sie erst dann, wenn die Unternehmen im kommenden Jahr nicht das halten könnten, was sie im Moment versprechen. Wer als Feldstudie jedoch beobachtet, wie eifrig derzeit in allen erdenklichen Situationen gecremt wird, der braucht sich darum keine Sorge zu machen.

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